Die gotischen Bürgerhäuser wurden vorwiegend aus gebrannten Ziegeln errichtet, der Innenausbau erfolgte in Holz.
Die Grundstücke mit einer Größe von ca. 10×30 Metern lagen mit der Schmalseite zur Straße. Diese Lage schaffte gleiche Bedingungen und verlangte eine Bebauung in Giebelstellung. Sowohl der Straßen- und Hofgiebel als auch die Traufwände wurden mit Ziegeln errichtet, Die Traufwände dienten als Auflage für die Deckenbalken beider angrenzender Gebäude. Diese Bauweise erforderte die Errichtung ganzer Hausreihen. Der Keller, halb eingesenkt, hatte zwei Zugänge von der Straße. Der dazwischenliegende Beischlag führte durch das mittige Portal in den zentralen Vielzweckraum, die Diele.
Die Diele nahm ursprünglich die ganze Grundfläche des Hauses, bei einer beachtlichen Höhe von 4,5-5 Metern ein. Etwas seitlich von der Längsachse des Hauses steht in der Mitte ein gewaltiger Hausbaum. Als Lastaufnahme für den Längsunterzug trägt er die Last der Speicherböden. Während der erste Speicher noch in den massiven Umfassungsmauern verankert ist, liegen die anderen zwei bis drei Speicheretagen in der Dachkonstruktion des Hauses. Ein Lastzug in der Hausmitte sorgte durch übereinanderliegende Luken in allen Decken, für die vertikale Verbindung vom Keller in alle Etagen.
Im schmaleren Teil der Diele, zwischen Hauswand und Hausbaum, wurde eine Galerie eingehängt. Unter der Galerie zum Straßengiebel hin befand sich später das Kontor. Der in Galeriebreite hofseitig errichtete Kemladen erreichte in der Regel 10 Meter Länge. Seine beiden Geschosse waren höher als die Diele. Eine kleine Wendeltreppe im Kemladen verbindet den Keller an der Nahtstelle zum Hauptgebäude mit der Diele. Hofseitig befand sich an der Galerieseite in der Diele eine Feuerstätte. Weil der Kaufmann im allgemeinen die Braugerechtigkeit besaß, wurde die Wärme der Feuerstelle genutzt, um das auf den Speicherböden lagernde Getreide zu Malz zu verarbeiten. Im ersten Speicher befand sich die Malzdarre, sie wurde über einen in der Wand befindlichen Schornstein mit der nötigen Heißluft versorgt. Sicherlich wurde diese Feuerstelle gleichzeitig als Herd für die Speisenzubereitung genutzt. Die Speisen wurden gemeinsam am großen Tisch in der Diele eingenommen. Die Diele war der Lebens- und Arbeitsraum aller Hausangehörigen. Das Licht für diesen Bereich lieferte die als große Fensterwand die „Lucht“ genutzte unverbaute Hofwand der Diele. Die eigentlichen Wohnräume der Kaufmannsfamilie befanden sich im Kemladen. Das Erdgeschoß war für die Bedürfnisse der Hausfrau reserviert, die Schlafräume der Familie waren vermutlich in der oberen Etage. Das Gesinde nächtigte in abgeschlagenen Kammern auf den Speichern. Als Ergänzung der Gesamtanlage entstand später, am Ende des Grundstückes, ein querstehendes kombiniertes Stall- und Speichergebäude oder ein Brauhaus.
Die Giebel dieser stolzen Kaufmannshäuser dominierten in den breiten zum Hafen führenden Straßen. Das Straßenbild der Zeit wäre jedoch ohne die „Buden“ der Handwerker unvollständig.
Die „Buden“ waren solide Gebäude aus Backstein, mit der Traufwand von ca. 10 Meter Länge zur Straße. Es waren in der Regel unterkellerte zweigeschossige Gebäude. Der Wohnbereich befand sich im Obergeschoß.Handwerker waren in der frühen Zeit nicht ratsfähig.
Als dritte Kategorie privater Gebäude gab es die sogenannten Keller. Diese können sowohl ebenerdige wie auch eingesenkte Gebäude sein. In den Kellern wurde nur noch gewohnt, ihre Bewohner gingen außerhalb des Hauses einer Arbeit nach.

- Keller
- Hausbaum
- Lucht
- Diele
- Kontor
- Galerie
- 1. Speicherboden
- 2. Speicherboden
- Kemladen
Dieses spätgotische Dielenhaus wurde um 1400 errichtet. Vermutlich erstreckte sich die Diele ursprünglich über das gesamte Erdgeschoß. Über der Diele befanden sich drei Speicherböden. Die Lasten wurden im Bereich des Hausbaumes mittels Winde in die Speicherböden befördert. Wohnbereich war der zweigeschossige Kemladen.
Im 17. Jahrhundert wurde dieses Haus mehrfach umgebaut, in dieser Zeit erfolgte vermutlich der Einbau der Galerie. Nach 1700 baute man die Diele in zwei Wohngeschosse um.
Im 19. und 20. Jahrhundert wurden die Speicheretagen in Wohnungen umgewandelt und die Fassade neu gestaltet.
1976 – 1979 erfolgte der Rückbau und die Rekonstruktion dieses Hauses als Typ „Kleines gotisches Dielenhaus“.





