Badenstraße 51


Die Geschichte des Hauses reicht mindestens bis ins frühe 18. Jahrhundert zurück. Nach den Recherchen von Dr. Andreas Neumerkel vom Stadtarchiv erhielt es damals weitgehend sein heutiges Erscheinungsbild. Seine Bauweise entspricht den kleinen Gebäuden, die häufig rund um Kirchen zu finden waren. Für größere Häuser mit Giebelfront war an dieser Stelle kein Platz, da diese über die Grenze des Kirchhofs hinausgereicht hätten.

Katasterauszug 1700-1869

Um 1700 befand sich das Haus im St.-Nikolai-Viertel im Besitz von J. Friedrichs. Als weitere Eigentümer folgten J. Wolper und A. B. Teßmer. Nach dessen Tod heiratete seine Witwe P. C. Stapelberg. Im Jahr 1769 erwarb Joh. Nic. Siegel das Haus, 1783 ging es in den Besitz von P. Tetzlof und bereits 1784 in den von Ch. Borchardt über. Ab 1837 war Gustav Keller Eigentümer. Im Jahr 1869 erfolgte die Umbenennung der Adresse in Badenstraße 51.

Ein schriftlicher Beleg aus dem Jahr 1706 gibt Einblick in die damalige Ausstattung des Hauses. Darin werden ein Bretterfußboden und eine Winde erwähnt. Außerdem gab es links vom Eingang einen Durchgang, über den man zum Nikolaihof gelangte.

Das Gebäude war über Generationen hinweg eng mit dem örtlichen Handwerk verbunden. Die Bewohner nutzten es sowohl zum Wohnen als auch für ihre berufliche Tätigkeit. Als früher Eigentümer ist um 1700 der Schwertfeger Jürgen Friedrichs bekannt. Schwertfeger waren auf die Anfertigung blanker Waffen spezialisiert. Knapp ein Jahrhundert später, 1784, kaufte Christoph Borchardt das Haus zum Preis von 600 Reichstalern. Er arbeitete als Buntfütterer, einem Handwerker des Kürschnergewerbes, der sich mit der Verarbeitung von Pelzen beschäftigte. Im 19. Jahrhundert befand sich das Gebäude im Besitz des Bürstenmachers G. Keller.

Strassenansicht vor 1944 — Links befindet sich der Zugang zum Nikolaikirchhof, der durch ein Tor von der Straße abgeggrenzt ist
Ansicht vom Nikolaikirchhof (vor 1944)


Auch das Umfeld des Hauses hat sich im Laufe der Zeit stark verändert. Einst verlief die Häuserreihe entlang der Badenstraße bis unmittelbar zum Rathaus. Von dieser früheren Bebauung gingen die Häuser Nr. 52 bis 55 verloren. Sie wurden am 6. Oktober 1944 bei einem Bombenangriff vollständig zerstört.

Die Nachbarhäuser zum Rathaus hin (Nr. 52-55) wurden während des Bombenangriffs 1944 vollständig zerstört

Der zweigeschossige, dreiachsige Traufenhausbau wurde vermutlich Anfang des 18. Jahrhunderts auf den Mauern eines mittelalterlichen Vorgängerbaus errichtet. Teile der mittelalterlichen Kellerwände wurden in den Neubau einbezogen. Im schwedischen Matrikel von 1706/07 wird ein großer Keller unter einem zweigeschossigen Haus erwähnt.

Von Mitte Juli bis Mitte August 2008 fanden restauratorische Untersuchungen statt, an die sich die Restaurierung des gesamten Gebäudes anschloss. Im November 2009 wurde das Haus vom Bürgerkomitee „Rettet die Altstadt“ e. V. mit dem Koggensiegel ausgezeichnet. Im Dezember 2009 zog die Eigentümerfamilie in das Gebäude ein.

Die Nachbargebäude Badenstraße 52/53 in Richtung Rathaus wurden im Jahr 2018 neu errichtet.

Die Treppe
Eine dreiviertelgewendelte Treppe verbindet das Erdgeschoss mit dem 1. Obergeschoss. Die gedrechselten Docken im Geländerbereich wurden nach historischem Vorbild neu hergestellt.


Die Aufnahmne aus dem restauratorischen Gutachten von Wolf Dieter Thormeier aus dem Jahr 2008 dokumentiert den früheren Zustand der Treppe im Bereich des 1.OG und des Treppengeländers. Das aktuelle Foto zeigt die Treppenanlage nach der Sicherung und Aufarbeitung der historischen Bauteile.

Die Türen

Die rahmenlose, am Mauerwerk anschlagende zweiflügelige Haustür mit bogigem Oberlicht ist auf den Aufnahmen von 2008 und 2026 dargestellt.

Im gesamten Gebäude waren 2008 Füllungstüren aus dem 19. Jahrhundert erhalten, teilweise mit bemerkenswerten Türbändern. Diese wurden vor Beginn der Baumaßnahmen gesichert und größtenteils wiederverwendet.

Der Keller
Im Keller befanden sich ehemals Gänge die zum Rathaus führten. Der Kellerboden besteht heute aus historischen Ziegelsteinen als auch aus Pflastersteinen.

Fotos: Stadtarchiv, W. D. Thormeier, C. Barwitzki
Quellen: Restauratorische Untersuchungen W. D. Thormeier, Archiv Dr. A. Neumerkel, Kataster 1700-1869
Text: C. Barwitzki