Badenstr. 5

Jugendstil-Treppenhaus vernichtet – Nachlass-Päckchen aus dem 17. Jhdt. gefunden

Vor 30 Jahren: Das Drama um das Brand-Haus Badenstraße 5

Es ist spätabends des 13. Februar 1996: Die Flammen schlagen schon aus dem Gebäude Badenstraße 5, als die Feuerwehr anrückt. Vom ca. 1880 erbauten bzw. überarbeiteten Wohnhaus Badenstraße 5 verbleiben nur noch Ruinen-Reste. Voraus gegangen war ein Konflikt zwischen dem Lübecker Eigentümer und der Denkmalpflege. Sollte eine „heiße Sanierung“ die Lösung sein? Jedenfalls war ein einzigartiges Treppenhaus im „Jugendstil reinster Ausprägung“ (damalige Denkmalpflegerin Dr. Ursula Markfort) unwiederbringlich verloren.

2000 Abriss Badenstr. 5

Doch der Reihe nach: Für das dreieinhalbgeschossige Gebäude mit Vorderhaus, Seitenflügel und Hof und für das Vorgängerhaus kamen und gingen die Eigentümer: z. B. 1680 der Weinhändler Hermann Wolfradt, 1810 der Sattlermeister Johann Samuel Bernhard, 1862 der Notar Carl Wilhelm Fabricius und 1872 der Zahnarzt Wilhelm van der Heyden. 3 Wohnungen beherbergte das Haus, 1868 entstand in der Vorderfront eine Öffnung für Schaufenster, 1933 wurde eine Dachwohnung zugelassen. 1991 zog die Hanse-Galerie dort ein (siehe Bild). Die Grundmauern und der Keller dürften aus dem 13. bzw. 14. Jhdt. stammen.

Das Jugendstiltreppenhaus mit wertvollen Wandmalereien und hübscher Wendeltreppe entstand zwischen 1870 und 1890. Das unglückliche Schicksal wollte es nun, dass gerade dort an 2 Stellen Feuer gelegt wurde. Der Eigentümer, der das Haus ca. 1994 erworben hatte, befand sich nicht nur im Streit mit der Denkmalpflege, die u. a. die Restaurierung des Treppenhauses gefordert hatte. Dicke Luft gab es auch mit der Bauaufsicht, die die Sicherung des baufälligen Kemladens mit der Androhung eines saftigen Zwangsgeldes verlangt hatte. Bei aller Verbitterung über den Verlust des Treppenhauses geschah jedoch auch ein kleines Wunder: Ein historisch wertvoller Kachelofen von ca. 1780 konnte gerettet und geborgen werden.

Brand-Ruine als „Touristen-Schreck“

Aber das Drama war noch nicht zu Ende: Noch 2 Jahre nach dem Brand, am 25.3.1998, setzte der Ostsee-Anzeiger die Headline: „Die Brandruine in der Badenstraße 5 beleidigt das Stadtbild: Touristen-Schreck am Rathausplatz“. Weitere 16 Monate vergingen im Streit über Wiederaufbau und/oder Abriss und nötige Sicherungsmaßnahmen am Nachbarhaus. Schließlich meldete die Ostseezeitung am 22.7.1999: „Nupnau will sein Haus nun doch verkaufen“, nämlich im Gefolge des geplanten Einkaufszentrums im Quartier 17. Der Abriss geschah dann im Jahr 2000. Gleichwohl in Erinnerung verbleibt die treffende Einordnung des Ostsee-Anzeigers v. 25.3.1998: „Noch heute, 2 Jahre nach der Brandlegung, scheinen die schwarzen, verbrannten Reste der Ruine gegen blanken Eigennutz und spekulative Altstadtzerstörung mahnen zu wollen.“

Die Erzählung geht jedoch weiter: Vor Errichtung des Einkaufszentrums erfolgten umfängliche archäologische Grabungen. Unter der Badenstraße 5 fanden sich in einem Brunnen von ca. 1320 und in 6 Holz- und Ziegel-Latrinen (Bauzeit zwischen 1270 und 1550) sensationelle Funde: eine rätselhafte „Papstbulle“, unzählige Siegel, Messer, Münzen in Walnuss-Schalen und Tongefäße; ganz besonders aber: Trinkgläser (sog. Krautstrünke) von der Weinhändlerfamilie Berchmeyer (ca. 1630) und – noch einzigartiger – der Nachlass von Heinrich Berchmeyer (auch ca. 1630, jetzt im Stadtarchiv Stralsund). In der Veröffentlichung von Ansorge und Rütz „Quartier 17“ (Landesamt für Kultur und Denkmalpflege M-V 2016) heißt es dazu: „Der Nachlass enthält Handelsbriefe, Rechnungen, Quittungen, Pfandbriefe, private Briefe…Alles ist fein säuberlich in Päckchen verpackt und mit dünnen Lederbändchen verschnürt.“

2025

Ironie des Schicksals also: Aufgrund dieser wertvollen Funde haben der Brand und das Einkaufszentrum auch irgendwie etwas ganz klein wenig Tröstliches. Aber insgesamt gilt: Wir sollten die alte Badenstraße 5, die zu schnödem Beton mutierte, nicht vergessen.

Arnold von Bosse in G&T #94