spannende Geschichte, interessante Gegenwart
Am 6. und 7. Juni 2026 öffneten sich die Tore für das Klosterfest St. Johannis Stralsund, eingebunden in den deutschlandweiten UNESCO-Welterbetag am 7. Juni. Im Jahre 2002 wurden die Altstädte der Hansestädte Stralsund und Wismar in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Dazu gehört auch die ruinöse Klosteranlage St. Johannis. Trotzdem war in den letzten Jahren der Zugang kaum möglich. Durch Initiative des Bürgerkomitees „Rettet die Altstadt Stralsund“ e. V. fand im vorigen Jahr das erste Klosterfest statt, das einen sehr positiven Widerhall bei den Stralsundern fand. Darum waren sie auch wieder gerne dabei: die 26 Stralsunder Vereine, Organisationen und Unterstützer. Sie kamen mit Besuchern ins Gespräch und natürlich auch miteinander – ganz dem diesjährigen Motto des Welterbetages „Gemeinsam für Frieden und Verständigung“ folgend und damit die bürgerschaftliche Gemeinschaft stärkend.
Es gab für die Besucher so viel zu entdecken: interessante Stände, Angebote für Kinder und Familien, ein buntes Kulturprogramm auf der Bühne, dem Chor der Kirchenruine und … den Rosengarten, eines der Highlights dieses Festes.
Die Anlage des Rosengartens wurde fachgerecht erweitert mit Unterstützung durch die Landschaftsarchitektin Silke von Ackeren und zahlreichen „Gärtnern“ des Bürgerkomitees. Dieses wunderschöne, ruhige Areal zauberte ein Lächeln auf die Gesichter der Besucher.

Die Stadtverwaltung unter Leitung des engagierten Erik Mülling hat zudem einen Gang und eine Treppe zur Freifläche neben dem Schmerhof gebaut. Weiterhin wurde der Kreuzgang so hergerichtet, dass eine Verbindung zwischen der Kirchenruine und dem Hof hergestellt wurde. Hervorragend gepflegt durch den Hausmeister des Johannisklosters. Welch‘ eine Freude, das zu sehen.
Der Schmerhof bekam auch gleich „Dauergäste“ – ein Bienenvolk des Imkers Harald Gürtler, die sich hier in der Ruhe ansiedeln könnten.
Die Fläche neben dem Schmerhof war für die Stralsunder Bogengilde reserviert. Die Bogengilde versteht sich als Geschichtsbewahrer und gleichzeitig bietet sie meditativen Sport für Jung und Alt. Einmal einen historischen Bogen in die Hand nehmen, einmal selbst den Bogen spannen und treffen. Gar nicht so einfach! Aber eine interessante Anregung.
Nach dem Ausflug in den neu betretbaren Bereich waren die heiß begehrten geschichtlichen Touren wesentlicher Bestandteil des Festes. Bei den Welterbe-Führungen durch den Stralsunder Gästeführerverein 07 und den exklusiven Klosterführungen durch KULT-Touren DIE fromme Dagmar gab es wieder neues Altes zu entdecken.
Der Stralsunder Traditionsverein mit der Stadtwache erfüllte das historische Szenario in der Klosteranlage mit Leben und mit viel As und Os auch bei den donnernden Schützensalven. Ohne die historischen Kostüme, das Equipment, die Getränke- und rustikalen Snackangebote, die Auftritte mit den Stadtschauspielern wäre das Klosterfest nicht vorstellbar.
Zur Stralsunder Geschichte haben viele Protagonisten beigetragen. Sei es der Stralsunder Geschichtsverein, der Verlag Edition Pommern, der Förderverein des Marinemuseums, der Strandläuferverlag, der Verein Förderkreis Industriegeschichte – alle brachten etwas Neues zur Geschichte Stralsunds mit. Aber auch ein Gast brachte etwas dem Verein der ehemaligen Volkswerftmitarbeiter mit: ein Fotoalbum seines Vaters aus seiner Zeit bei der Volkswerft. Eine große Freude und ein Zeichen des wirklichen Austauschs zwischen den geschichtsbewahrenden Vereinen und den Stralsundern.
Der Kunstverein Stralsund, der Literaturkreis Stralsund sowie die Jugendkunstschule widmeten sich intensiv den Besuchern und animierten zum kreativen Malen und Basteln. Etwas für die ganze Familie.
Die Mittwochspinnerinnen fanden viel Anklang. Im Zoo beheimatet, regionale Schafwolle verarbeitend und wieder modern Socken und Accessoires strickend, zeigten sie, wie man gut in Gemeinschaft etwas schaffen kann.

Der interessante Vortrag von Christoph Freiherr von Houwald zum 800. Todestag von Franz von Assisi, dem Gründer des Franziskanerordens, passte nicht nur zum Kloster, sondern stellte einen Bezug zur Gegenwart her. Der Orden hatte schon sehr früh dieses Kloster im hohen Norden aufgebaut. Die Pflege der Armen und Kranken stand neben den seelsorgerischen Aktivitäten im Mittelpunkt. Die Stralsunder Wohlfahrtseinrichtungen, die nicht nur wegen ihres leckeren Gebäcks Anziehungspunkt waren, sind die Verbindung zum historischen Kloster mit seinen Einrichtungen zur Pflege und der Altersfürsorge, die bis weit ins 20. Jahrhundert existierten.
Betreuung und Pflege sind unverzichtbar und bedürfen der Unterstützung durch die Gesellschaft. Dazu ins Gespräch kommen, ist wichtig und es lohnt sich, einmal diese Einrichtungen zu besuchen und sich von der außerordentlichen Fürsorge zu überzeugen.
Die Leiterin des Amtes für Kultur, Welterbe und Medien, Steffi Behrendt, ließ es sich nicht nehmen, selbst zum Welterbetag die Stadt zu vertreten. Dass der Oberbürgermeister Dr. Alexander Badrow den Welterbetag im Kloster eröffnete und mit einem anschließenden Rundgang den Initiatoren und Protagonisten dankte, ist ein Zeichen der Wertschätzung an alle Beteiligten.
Wie bereits beim ersten Klosterfest gab es wieder Buchlesungen und Vorträge. Diesmal hatte sich Sebastian Braun des Bühnenprogramms angenommen. Vom ukrainischen Folklorechor SMETANA, über Bauchtanz von Asuna Bellydance Company, den Bläsern von BackSteinBlech, den Flötisten der Musikschule Stralsund, dem Duo Lamäng, dem Heartbeat Chor Stralsund, der Shirley & Groove Connection bis zu Wolf-Dieter Thormeiers Auftritt mit seiner Tochter – breiter kann ein Bühnenprogramm kaum gefasst werden. Das alles in der romantisch schönen Kirchenruine. Sebastian Braun ist Bassist, Musikpädagoge, promovierter Musikwissenschaftler, Veranstalter und Macher des Kunst- und Kulturnetzwerkes KIRA e. V., was alle kulturellen Organisationen, Vereine und Aktiven Stralsunds verbinden und sichtbar machen will und er ist ein Geschenk für die Stadt.
Die rund 3500 Besucher waren neugierig und interessiert und genossen sichtlich das Ambiente und die Kommunikation mit den darüber sehr erfreuten Ausstellern und Aktiven und das abwechslungsreiche Bühnenprogramm. Am Sonntag war das Wetter den Veranstalter und Gästen leider nicht so hold und so mussten wegen des heftigen Regens Stände geschlossen werden.
Aber das beeinträchtigt nicht die Erinnerung an dieses schöne zweite Klosterfest in St. Johannis, an die Fortschritte bei der Erhaltung des Klosters und die aktive, fröhliche Gemeinschaft!
Allen Beteiligten ist herzlich zu danken. Und vielleicht finden sich Stralsunder, die sich auch gern für ihre Stadt engagieren wollen.







Anne Crämer in G&T #95
