Bundespräsident Steinmeier in Stralsund


Wenn sich das deutsche Staatsoberhaupt in die „schönste Hansestadt“ der Welt begibt, ist einiges los. Für drei Tage im April hatte Frank-Walter Steinmeier seinen Amtssitz aus Schloss Bellevue in die Hafenresidenz verlegt. Zumindest die Aussicht auf den Strelasund ist von dort famos. Glücklicherweise wurden keine seeseitigen Feinde gesichtet, sonst hätte er wie einst die Franziskaner Mönche den Rat der Stadt über die Gefahr informieren müssen. Das Programm war dicht mit Terminen gepackt. Im Vorfeld hatte sich das Bundespräsidialamt einen kurzen Zeitslot mit Vertretern des Bürgerkomitees gewünscht, um sich über das bürgerschaftliche Engagement des Vereins in den letzten 35 Jahren für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Altstadt zu informieren. Anne Pilgrim, die Leiterin der Stabsstelle der Hansestadt hatte alle Hände voll zu tun, um die Termine zu koordinieren. An einem sonnigen Nachmittag standen somit die Mitglieder des Bürgerkomitees, Frau und Herr Dr. Cramer, Wolf Dieter Thormeier und Heiko Werner gemeinsam mit der Leiterin des Amtes für Kultur, Welterbe und Medien Steffie Behrendt vor dem Welterbehaus und warteten. Irgendwann tauchte der Tross des Bundespräsidenten auf und sofort entspann sich ein intensives Gespräch. Herr Steinmeier stellte Fragen mit hoher Detailtiefe und Sachkenntnis. Wir haben einen zugewandten Politiker erlebt, der sich Zeit nahm und offenbar sich gut vorbereitet hatte. Spontan lud Familie Cramer alle Anwesenden kurzerhand auf eine Stippvisite in den Alten Markt 6 ein. Was im Vorfeld aufgrund notwendiger Sicherheitsmaßnahmen fast unmöglich schien, klappte vor Ort unaufgeregt und freundlich. Teile der historischen Apothekenausstattung, Wandtäfelungen, Akanthus-Malereien und detailreiche Darstellungen von gemalten Arzneipflanzen aus dem 17. Jahrhundert begeisterten nicht nur den Bundespräsidenten, sondern auch die anwesenden Presseleute. Wirklich rasend schnell vergingen die avisierten 15min und dehnten sich schnell auf eine halbe Stunde aus, ehe Herr Steinmeier zum nächsten Termin eilen musste. Verspätet. Versteht sich.

Heiko Werner in G&T #95

Führung „Koggensiegelhäuser“ Mai 26

Hinter vielen Fassaden verbergen sich Geschichten und Informationen, die man auf den ersten Blick nicht wahrnimmt oder erahnen kann. Aus diesem Grund organisierte das Bürgerkomitee am 9. Mai dieses Jahres eine gemeinsame Begehung für Mitglieder und alle interessierten Bürger. Bei bestem Wetter führte uns Dagmar Fromme am 9. Mai zu ausgewählten Häusern, die bereits mit dem Koggensiegel des Bürgerkomitees gewürdigt wurden. Zu Beginn stimmte sie uns nochmals auf die Einmaligkeit unserer Stralsunder Altstadt als städtebauliches Denkmal ein, welches sich aus den vielen Einzeldenkmälern, den sowohl durchschnittlichen und den besonderen Denkmälern, zusammensetzt. Die Bedeutung der Bewahrung und des Erhalts der noch vorhandenen historischen Gebäude wurde durch die bereits erfolgten Zerstörungen und Abrisse in den zurückliegenden Zeiten noch einmal mehr verdeutlicht. So wurden durch einen Bombenangriff im 2. Weltkrieg ca. 365 Gebäude in der Altstadt zerstört, zwischen 1945 und 1989 verschwanden sogar ca. 570 Häuser von der Bildfläche. Auch heute gilt es noch, historisch Bauten sowohl vor vorsätzlichen Zerstörungen als auch vor verfehlter Baupolitik zu bewahren.

im Hof der Frankenstr

Der erste Anlaufpunkt war das Gebäudeensemble in der Frankenstraße 29 bis 33. Hier begrüßte uns Dr. Arnold von Bosse und führte uns in den idyllischen Innenhof, durch die Treppenhäuser und die beeindruckenden Kellerräume der Gebäude. Wir erfuhren viele Fakten zu Planungsabläufen, zur Finanzierung sowie zum Genossenschaftsmodell – Genossenschaft „Frankenstraße“. Insbesondere die Finanzierung und die Förderanträge stellten für die damaligen Genossenschaft einen großen bürokratischen Kraftakt dar. Bei Gesamtkosten von damals ca. 4 Mio. Euro wurde das Vorhaben mit 50% durch Städtebaufördermittel getragen. Weitere Unterstützung erhielt das Vorhaben durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Hierbei lobte Dr. Arnold von Bosse insbesondere den persönlichen Einsatz von Prof. Kiesow. Die Sanierung dauerte damals von 1999 bis 2002 an. Ein besonderer Fund im ehemaligen Anbau des Kemladens – das alte Mühlenrad, wurde erhalten und in einem Speicher am Hafen aufgehängt. Die damalige Genossenschaft wurde später in eine Wohnungseigentümergemeinschaft umgewandelt, wovon noch einige ehemalige Genossenschaftsmitglieder heute Eigentümer sind.

Kellerkonstruktion in der Frankenstr.

Vor der Frankenstraße 40 erwartete uns anschließend der Stralsunder Architekt Thorsten Kind. Hier erfuhren wir sehr anschaulich bebildert, wie der damalige Bauherr und Eigentümer, Herr Thorsten Kind selbst, unter der Maßgabe, so viel wie möglich zu erhalten, vor 20 Jahren mit der Sanierung begonnen hat. Auf dem Grundstück, welches sich bis zum Frankenwall erstreckt, befindet sich am selbigen eines der letzten Häuser aus der Renaissance. Das Gebäude gehörte damals den Gründern des Kaufhauses Wertheim und war daher im Innern etwas exklusiver ausgestaltet. Besonderheiten sind z. B. drei alte erhaltene vorpommersche Kachelöfen und historische Innentüren. Im Gebäude noch vorhandene Holzbalken stammen nachweislich aus dem Jahre 1688. Der hofseitige Anbau stammt aus dem 16. Jahrhundert. Leider war eine Begehung derzeitig nicht möglich, aber gegebenenfalls bietet sich zu einem späteren Zeitpunkt eine Gelegenheit.

Nicht weit entfernt, ging es weiter zu den Häusern Frankenstraße 49 bis 52. Hier berichtete Wolf-Dieter Thormeier, als derzeit begleitender Restaurator, über das Engagement des Bauherrn, Herrn Manfred Gohr, der aus bauhistorischer Sicht alle vier Gebäude mit Vorsicht und Hingabe sanierte. So wurden in allen vier Häusern beeindruckende historische Befunde freigelegt und erhalten. Wir erfuhren unter anderem, dass die Nr. 49 im jetzt vorzufindenden Zustand bereits im Jahre 1785 wieder aufgebaut wurde und um ein Geschoss erhöht wurde. Im 1. Obergeschoss sind im Zuge der Sanierung in den beiden straßenseitigen Zimmern wunderschöne Wandmalereien zum Vorschein gekommen. Die Zimmer waren umlaufend mit prächtigen Malereien versehen, wovon eine Wand aufwendig saniert wurde. Besonders erwähnenswert sind auch die vorhandenen barocken Deckenbalkenmalereien und die anhand alter Fotos rekonstruierte Werbeschrift an der Fassade. Wie wertvoll der Fundus der historischen Denkmal-Türen der Stadt ist, zeigt sich auch an diesem Beispiel. Im Fundus konnte eine passende alte Tür ausgewählt und aufgearbeitet werden und fand hier einen neuen Platz.

In der Badstüberstr

Gleich um die Ecke ging es weiter in die Badstüberstraße. Anschaulich berichtete Frau Möckel über persönliche Lebenswege, wie sie mit 8 Jahren Stralsund verlassen hat und in ihr jetziges Wohnhaus in die Badstüberstraße 7 wieder zurückfand. Nach ihrer Rückkehr nach Stralsund im Jahre 1996 befand sich auf dem Grundstück ein sehr baufälliges Gebäude, welches nicht mehr gerettet werden konnte. Der Abriss wurde unter der Bedingung genehmigt, dass das neue Gebäude originalgetreu wieder aufgebaut wird. So gesagt, so getan. Spontan und zur Freude der Teilnehmer gewährte Frau Möckel noch einen kurzen Einblick in ihr Haus und öffnete die Türen.

In der Wekstatt von W.D. Thormeier

Ungesehen durfte in diesem Straßenabschnitt natürlich nicht die Badstüberstraße 17 bleiben. Hier grübelt, tüftelt und werkelt der Restaurator Wolf-Dieter Thormeier und musste in seinen eigenen vier Wänden über Erhalt, Befundsicherungen und Restaurationen nur mit sich selbst ins Reine kommen. Wir erfuhren, dass das Haus ein einfaches Handwerkerhaus war und hier einst vom Keller bis zum Dachgeschoss fünf Familien wohnten. Wolf-Dieter Thormeier berichtete anschaulich über viele historische Details in diesem Haus, die auch in anderen Häusern Stralsunds teilweise zu finden sind und ein Indiz für einen Trend der damaligen Zeit sein können oder auch einfach Wiederverwendungsprojekte eines gefragten Handwerkers waren. Besonders beeindruckend ist der lichtdurchflutete Arbeitsraum, der durch die Deckenöffnung zum Obergeschoss geschickt geschaffen wurde. Spannend war auch die Geschichte der drei geretteten Bretter, die Wolf-Dieter Thormeier während der Abrissarbeiten des Hauses von Bäcker Zander in der Wasserstraße in einem Container entdeckte. Klug, kreativ und wie es sich für einen Restaurator gehört, sind in sämtlichen Bereichen des Hauses historische Details zu sehen und zu fühlen – Geschichte zum Anfassen und fast die heimliche kleine Schwester der Mönchstraße 38.

Weiter ging es in der Badstüberstraße über die Langenstraße hinweg. Hier stellte Architekt Thorsten Kind die Ideen und Umsetzungen zu dem von ihm sanierten Gebäude sowie den hier errichteten Neubauten vor. Durch die Details, wie die Einbeziehung eines Baumes, die Wiederverwendung historischer Türen und vor allem aber der Umgang und die gestalterische Umsetzung mit den herausfordernden Grundstücksabmessungen ist dieses Gebäudeensemble individuell und lebendig auf eine eigene Art.

Neubau Badstüberstr.

Auf dem weiteren Weg berichtete Dagmar Fromme eindrucksvoll zur Wasserstraße 80 über den damaligen Hilferuf, Eigenmittel zu beschaffen und die anschließende große Unterstützung, die dieses Sanierungsvorhaben erfuhr. Für das Bürgerkomitee stellt dieses Vorhaben eines der Leuchtturmprojekte für erfolgreiches Engagement und eine sehr gelungenen Sanierung dar. Ein Wehrmutstropfen ist sowohl hier wie auch in der gesamten Wasserstraße die unbefriedigende Verkehrssituation. Es wäre wünschenswert, wenn das aktuelle Verkehrskonzept verbessert wird.

Einen gelungenen Abschluss fand der Rundgang im Rosengarten des Johanniskloster. Seit 2024 wird dieser nun aktiv vom Bürgerkomitee mit neuen Ideen und Pflanzen bereichert, liebevoll gepflegt und vor allem für Stralsunder und Gäste zeitweise begeh- und erlebbar gemacht.

Zahlreiche Mitglieder und Gäste folgten der Einladung und erhielten bei einem fast dreistündigen abwechslungsreichen Spaziergang durch die Altstadt spannende Hintergrundinformationen, einen Blick auf besondere Details und interessante Einblicke in die historischen Häuser. Die gemeinsame Begehung bot nicht nur spannende Geschichten, sondern auch Gelegenheit für gute Gespräche.

Abschließend sei ein besonderer Dank an Frau Dagmar Fromme, Herrn von Bosse, Herrn Kind und Herrn Thormeier gerichtet, die sich die Zeit genommen haben und mit viel Begeisterung wissenswerte Informationen und interessante Anekdoten anschaulich vermittelt haben. Ein weiterer Dank geht auch an Frau Möckel für den spontan gewährten Einblick in ihr Wohnhaus in der Badstüberstraße 7.

Die vielen positiven Rückmeldungen zeigen, wie groß das Interesse ist. Und für die, die dieses Mal nicht dabei sein konnten, können wir eine Fortsetzung der Begehungen zu den „Koggensiegelhäusern“ bereits in Aussicht stellen.

Kati Rehberg in G&T #95

Klosterfest St. Johannis 2026


spannende Geschichte, interessante Gegenwart

Am 6. und 7. Juni 2026 öffneten sich die Tore für das Klosterfest St. Johannis Stralsund, eingebunden in den deutschlandweiten UNESCO-Welterbetag am 7. Juni. Im Jahre 2002 wurden die Altstädte der Hansestädte Stralsund und Wismar in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Dazu gehört auch die ruinöse Klosteranlage St. Johannis. Trotzdem war in den letzten Jahren der Zugang kaum möglich. Durch Initiative des Bürgerkomitees „Rettet die Altstadt Stralsund“ e. V. fand im vorigen Jahr das erste Klosterfest statt, das einen sehr positiven Widerhall bei den Stralsundern fand. Darum waren sie auch wieder gerne dabei: die 26 Stralsunder Vereine, Organisationen und Unterstützer. Sie kamen mit Besuchern ins Gespräch und natürlich auch miteinander – ganz dem diesjährigen Motto des Welterbetages „Gemeinsam für Frieden und Verständigung“ folgend und damit die bürgerschaftliche Gemeinschaft stärkend.

Es gab für die Besucher so viel zu entdecken: interessante Stände, Angebote für Kinder und Familien, ein buntes Kulturprogramm auf der Bühne, dem Chor der Kirchenruine und … den Rosengarten, eines der Highlights dieses Festes.

Die Anlage des Rosengartens wurde fachgerecht erweitert mit Unterstützung durch die Landschaftsarchitektin Silke von Ackeren und zahlreichen „Gärtnern“ des Bürgerkomitees. Dieses wunderschöne, ruhige Areal zauberte ein Lächeln auf die Gesichter der Besucher.

Die Stadtverwaltung unter Leitung des engagierten Erik Mülling hat zudem einen Gang und eine Treppe zur Freifläche neben dem Schmerhof gebaut. Weiterhin wurde der Kreuzgang so hergerichtet, dass eine Verbindung zwischen der Kirchenruine und dem Hof hergestellt wurde. Hervorragend gepflegt durch den Hausmeister des Johannisklosters. Welch‘ eine Freude, das zu sehen.

Der Schmerhof bekam auch gleich „Dauergäste“ – ein Bienenvolk des Imkers Harald Gürtler, die sich hier in der Ruhe ansiedeln könnten. 

Die Fläche neben dem Schmerhof war für die Stralsunder Bogengilde reserviert. Die Bogengilde versteht sich als Geschichtsbewahrer und gleichzeitig bietet sie meditativen Sport für Jung und Alt. Einmal einen historischen Bogen in die Hand nehmen, einmal selbst den Bogen spannen und treffen. Gar nicht so einfach! Aber eine interessante Anregung.

Nach dem Ausflug in den neu betretbaren Bereich waren die heiß begehrten geschichtlichen Touren wesentlicher Bestandteil des Festes. Bei den Welterbe-Führungen durch den Stralsunder Gästeführerverein 07 und den exklusiven Klosterführungen durch KULT-Touren DIE fromme Dagmar gab es wieder neues Altes zu entdecken. 

Der Stralsunder Traditionsverein mit der Stadtwache erfüllte das historische Szenario in der Klosteranlage mit Leben und mit viel As und Os auch bei den donnernden Schützensalven. Ohne die historischen Kostüme, das Equipment, die Getränke- und rustikalen Snackangebote, die Auftritte mit den Stadtschauspielern wäre das Klosterfest nicht vorstellbar. 

Zur Stralsunder Geschichte haben viele Protagonisten beigetragen. Sei es der Stralsunder Geschichtsverein, der Verlag Edition Pommern, der Förderverein des Marinemuseums, der Strandläuferverlag, der Verein Förderkreis Industriegeschichte – alle brachten etwas Neues zur Geschichte Stralsunds mit. Aber auch ein Gast brachte etwas dem Verein der ehemaligen Volkswerftmitarbeiter mit: ein Fotoalbum seines Vaters aus seiner Zeit bei der Volkswerft. Eine große Freude und ein Zeichen des wirklichen Austauschs zwischen den geschichtsbewahrenden Vereinen und den Stralsundern. 

Der Kunstverein Stralsund, der Literaturkreis Stralsund sowie die Jugendkunstschule widmeten sich intensiv den Besuchern und animierten zum kreativen Malen und Basteln. Etwas für die ganze Familie.

Die Mittwochspinnerinnen fanden viel Anklang. Im Zoo beheimatet, regionale Schafwolle verarbeitend und wieder modern Socken und Accessoires strickend, zeigten sie, wie man gut in Gemeinschaft etwas schaffen kann. 

Die Mittwochsspinnerinnen

Der interessante Vortrag von Christoph Freiherr von Houwald zum 800. Todestag von Franz von Assisi, dem Gründer des Franziskanerordens, passte nicht nur zum Kloster, sondern stellte einen Bezug zur Gegenwart her.  Der Orden hatte schon sehr früh dieses Kloster im hohen Norden aufgebaut. Die Pflege der Armen und Kranken stand neben den seelsorgerischen Aktivitäten im Mittelpunkt. Die Stralsunder Wohlfahrtseinrichtungen, die nicht nur wegen ihres leckeren Gebäcks Anziehungspunkt waren, sind die Verbindung zum historischen Kloster mit seinen Einrichtungen zur Pflege und der Altersfürsorge, die bis weit ins 20. Jahrhundert existierten. 

Betreuung und Pflege sind unverzichtbar und bedürfen der Unterstützung durch die Gesellschaft. Dazu ins Gespräch kommen, ist wichtig und es lohnt sich, einmal diese Einrichtungen zu besuchen und sich von der außerordentlichen Fürsorge zu überzeugen. 

Die Leiterin des Amtes für Kultur, Welterbe und Medien, Steffi Behrendt, ließ es sich nicht nehmen, selbst zum Welterbetag die Stadt zu vertreten. Dass der Oberbürgermeister Dr. Alexander Badrow den Welterbetag im Kloster eröffnete und mit einem anschließenden Rundgang den Initiatoren und Protagonisten dankte, ist ein Zeichen der Wertschätzung an alle Beteiligten.

Wie bereits beim ersten Klosterfest gab es wieder Buchlesungen und Vorträge. Diesmal hatte sich Sebastian Braun des Bühnenprogramms angenommen. Vom ukrainischen Folklorechor SMETANA, über Bauchtanz von Asuna Bellydance Company, den Bläsern von BackSteinBlech, den Flötisten der Musikschule Stralsund, dem Duo Lamäng, dem Heartbeat Chor Stralsund, der Shirley & Groove Connection bis zu Wolf-Dieter Thormeiers Auftritt mit seiner Tochter – breiter kann ein Bühnenprogramm kaum gefasst werden. Das alles in der romantisch schönen Kirchenruine. Sebastian Braun ist Bassist, Musikpädagoge, promovierter Musikwissenschaftler, Veranstalter und Macher des Kunst- und Kulturnetzwerkes KIRA e. V., was alle kulturellen Organisationen, Vereine und Aktiven Stralsunds verbinden und sichtbar machen will und er ist ein Geschenk für die Stadt.

Die rund 3500 Besucher waren neugierig und interessiert und genossen sichtlich das Ambiente und die Kommunikation mit den darüber sehr erfreuten Ausstellern und Aktiven und das abwechslungsreiche Bühnenprogramm. Am Sonntag war das Wetter den Veranstalter und Gästen leider nicht so hold und so mussten wegen des heftigen Regens Stände geschlossen werden.

Aber das beeinträchtigt nicht die Erinnerung an dieses schöne zweite Klosterfest in St. Johannis, an die Fortschritte bei der Erhaltung des Klosters und die aktive, fröhliche Gemeinschaft!

Allen Beteiligten ist herzlich zu danken. Und vielleicht finden sich Stralsunder, die sich auch gern für ihre Stadt engagieren wollen.

Anne Crämer in G&T #95

Im Rausch der Farben – Wanddekorationen im Wandel der Zeit

Menschen zusammenbringen, die ähnliche Interessen haben – das ist ein schönes Nebenprodukt der Tätigkeit unseres Vereins. Etwa 50 interessierte Gäste waren der Einladung des Bürgerkomitees „Rettet die Altstadt Stralsund“ e. V. gefolgt.

Wolf-Dieter Thormeier nahm alle Anwesenden mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte unserer Stadt. Prachtvolle Bilder zeigten eine Fülle von Kunstwerken, die es in Stralsund zu entdecken gibt.

Als absoluter Kenner, als „Insider“, der in fast allen Häusern der Stadt bei der Restaurierung mitgewirkt hat, konnte er interessante Zusammenhänge und Thesen darstellen, z. B. nach der „Handschrift“ von Meistern in verschiedenen Häusern.

Waren die gleichen Meister am Werk? Hat man nach Musterbüchern gearbeitet? Welche Farben wurden verwendet? Wie wurden sie hergestellt? Alles Dinge, die uns heute noch im Bann halten.

Aus dem Mittelalter sind leider nicht so sehr viele Wandmalereien erhalten. Einige Fragmente sind im Johanniskloster ausgestellt – immerhin können die ab und zu besucht werden.

Wie langwierig manche Sanierungen sind, konnten wir sehr glaubhaft am Beispiel einer barocken Deckenmalerei aus der Heilgeiststraße 68 sehen. Im Zentrum dieser Malerei befindet sich passenderweise eine Darstellung der Tugend Hoffnung. Seit 2017 sind hier Planungen zur Sicherung im Gang, das Bürgerkomitee hat einen Beitrag geleistet. Leider ist es noch nicht gerettet und wird noch in Schulbladen verwahrt.

Ob Mittelalter, Barock, Renaissance, Klassizismus oder 19. Jahrhundert. Es gibt vieles zu sehen in Stralsund – man muss nur hinschauen – und wer weiß, vielleicht stupst uns Herr Thormeier bald wieder auf Dinge, die wir nicht immer im Blick haben.

Dagmar Fromme in G&T#94

Koggensiegelverleihung 2026


Nach Verleihung des ersten Koggensiegels im Jahre 1996 wurden am 23. Januar dieses Jahres im Gustav-Adolf-Saal zwei weitere vorbildlich sanierte Altbauten mit der Auszeichnung gewürdigt. Das erste Koggensiegel an diesem Abend wurde beispielgebend für diese langjährige Tradition für die vor 30 Jahren abgeschlossene Sanierung des Gebäudes Wasserstraße 39 (Ecke Frankenwall) verliehen.

Wasserstr. 39 nach Sanierung

Bildhaft und informativ zeichnete Herr Dr. Dieter Bartels den Werdegang der aufwändigen Sanierung nach. Angefangen von der Rückübertragung des Hauses seiner Großeltern, den Bedenken zu den finanziellen Risiken bis hin zu vielen kleinen interessanten Geschichten und Details um die Sanierung erhielten wir einen beeindruckenden Einblick. Dass diese Ehre an diesem Abend dem Urheber des Koggensiegels selbst zuteilwurde, war kein Zufall. Nach 30 Jahren als Vorstandsvorsitzender wurde Herr Dr. Dieter Bartels anschließend mit respektvollen Worten und großem Dank vom jetzigen Vorstandsvorsitzenden Olaf Fromme im Namen des Bürgerkomitees herzlich verabschiedet. Im Anschluss wurde das zweite Koggensiegel an die Eigentümer Annette und Michael Hotze für die hervorragende Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes Mönchstraße 8 verliehen.

Mönchstr. 8

Michael Hotze berichtete über Erschwernisse, die eine Sanierung in einem denkmalgeschützten Gebäude mit sich bringen und gleichfalls herausfordern, besondere Lösungen zu finden. Anschließend stellte der Stralsunder Restaurator Wolf Dieter Thormeier, der die Sanierung begleitete, mit fundiertem Fachwissen besondere bauhistorische Elemente in diesem Gebäude vor und erläuterte diese. Besonders eindrucksvoll war auch hier zu sehen, wie die historischen Befunde sensibel in die neuen Nutzungen integriert wurden. Darüber hinaus ist mit der neu geschaffenen “KulturDIELE M8“ ein neuer Ort für Kultur entstanden, der der Weltkulturerbestadt Stralsund sehr gutsteht.

Sehr froh waren wir über die Zusage von Frau Beatrix Hegenkötter, uns einen fachlichen Einblick in die am 12. November 2025 verabschiedeten ersten Novelle des Denkmalschutzgesetzes M-V zu geben. Frau Hegenkötter stellte die wichtigsten Punkte der Gesetzesüberarbeitung kurz vor. Erfreulich ist, dass Genehmigungsverfahren vereinfacht wurden (z. B. für wiederkehrende Arbeiten) sowie eine Zustimmungsfiktion nach vier Wochen für mehr Planungssicherheit sorgen soll. Die Rahmenbedingungen für die Inanspruchnahme dafür hängen sicherlich vom jeweiligen Einzelfall ab. Interessant war auch zu hören, dass das vorsätzliche Zerstören von Denkmälern erstmals als Straftat im Gesetz erfasst wurde. Nachfragen kamen insbesondere auch zum Thema „Photovoltaikanlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden“ und deren Umgang. Im Denkmalschutzgesetz wurde der Klimaschutz lediglich als berechtigtes Interesse definiert. Hier wäre abzuwarten, wie die örtlich zuständige Genehmigungsbehörde bei zukünftigen Anträgen entscheidet. Ein paar Fragen blieben noch offen, für die Frau Hegenkötter baldige verbindliche Antworten in Aussicht gestellt hat; wir werden berichten.

Auch wenn an diesem Abend die winterlichen Temperaturen in der Kirchturmhalle nicht förderlich für einen gemütlichen Ausklang waren, so hat es uns als Bürgerkomitee sehr gefreut, dass sich trotz dieser schwierigen Witterungsbedingungen viele Interessierte, Mitglieder und Freunde auf den Weg gemacht haben. Ihr Interesse bestärkt uns in unserem Handeln, bedeutende kulturhistorische Baudenkmäler zu bewahren und darüber zu informieren.

Kati Rehberg in GT#94