Kategorie: 2026
Wasserstr. 39
Mönchstr. 8
Der mittelalterliche Stadtplan zeigt in Höhe der heutigen Mönchstr. 8 die seinerzeit noch als Die-Münche-Strasse Hausstelle 55 im St. Georgen Viertel, gezählt wurde, stattliche Giebelhäuser. Ein paar Jahre später dokumentieren die schwedischen Landvermesser am gleichen Ort eine wüste Stelle.
Dieser Platz oder Wüste ist der Erden gleich, sind keine Mauern oder Kellern draud, die vorn nach der Straßen stehen, die HaußThür und Fenster Mauer sind mit Brettern bekleydet, darauf ist ein Brau Haß gestanden, und sind die rudera des Dare Ofens in der BrandMauer zu sehen.
Es mag bis zur ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gedauert haben, bis Andreas Brink das Gebäude auf den mittelalterlichen Grundmauern neu als dreigeschossiges traufständisches Haus errichtete. Im barocken Stil gehalten, wurde jedoch die im Mittelalter typische Dielenform unter Verwendung der bestehenden Bausubstanz aufgegriffen. Mehrfach wechselten die Besitzer und deren Vorlieben, Ab dem frühen 19. Jahrhundert war das Stralsunder Baugeschäft Dehmlow & Möllhusen in diesem Gebäude tätig, das später vom Baugeschäft Augustin Hotze übernommen wurden. In dieser Zeit waren auch einige Nachbargrundstücke (wie die später im 2. Weltkrieg zerstörte Nr. 7) Teil der Firmengruppe, sodass ein großer Bauhof mit Kontor, Lagerflächen und Wohnungen entstand.


Das Baugeschäft Augustin Hotze & Söhne war hier noch bis 1972 ansässig und die Familie Hotze verließ nach DDR Repressalien und Enteignungen die Stadt gen Westen. Erst Anfang der neunziger Jahre gelang die Rückübertragung der massiv vernachlässigten Gebäudereste an die Alteigentümer, freilich in ziemlich desolatem Zustand.



Die anstehenden Sanierungsarbeiten förderten erstaunliches zu Tage. Unter einer einfachen Holzverschalung kamen in der Diele im Wand- und Deckenbereich große barocke Akanthusmalereien zum Vorschein. Diese waren farbig gehalten und in einem erstaunlich guten Zustand. Wie in solchen Fällen üblich, mussten diese unterste Farbschicht gesichert, darüberliegende Anstriche vorsichtig entfernt werden um so das Gesamtbild aus der Barockzeit Mitte des 18. Jahrhunderts wieder sichtbar werden zu lassen.



Aber natürlich haben auch spätere Zeiten Spuren hinterlassen. Liebevoll wurden Sichtfenster mit diversen Anstrichen aus verschiedenen Epochen rekonstruiert. Auch Tapetenschichten konnten voneinander getrennt und so in ihren zeitlichen Kontext gestellt werden.




Eine Besonderheit stellen auch die in mittelalterlichen Bögen eingebauten hölzernen Wandschränke dar. Diese wurden gerieten offenbar in späteren Jahren in Vergessenheit. Werkzeuge, Schusterutensilien, eingewecktes Obst zeugen von der Nutzung durch frühere Bewohner.

Heute steht die Diele dank der generösen Unterstützung der Familie Hotze für die Öffentlichkeit zur Verfügung. Hier hat sich mit der Kulturdiele M8 ein kleiner aber feiner Ort etabliert, an dem Theateraufführungen, Lesungen und Konzerte stattfinden. Aber auch für private Feiern kann der Raum mit dem historischen Ambiente gemietet werden. 2026 hat das Haus ein Koggensiegel bekommen.
