Kalkbrennerei Firma Broese

Bereits Im Jahr 1999 schenkte Frau Käthe Knoff ihren Erbanteil am Familienbesitz in Stralsund/Franzenshöhe dem Bürgerkomitee. Im Februar 2004 verstarb nun die ehemalige Stralsunderin und bedachte in ihrem Testament das Bürgerkomitee erneut mit einer großzügigen Spende. Wir möchten hier noch einmal Danke sagen für diese Zuwendungen, die wir natürlich für die weitere Sanierung und Verschönerung unserer Altstadt einsetzen werden, ganz im Sinne der Spenderin.
Käthe Knoff wurde als Käthe Broese am 07. August 1905 in Wrietzen im Oderbruch bei Frankfurt/Oder geboren. Ihr Vater, Otto Broese, übernahm am 1.4.1908 die Kalkbrennerei in Stralsund von der Firma C. A. Rühs & Co. an der auch die Firma Teichen beteiligt war. Das Ausgangsmaterial, der so genannte Rohkalk, kam aus Kalklagern um Rüdersdorf bei Berlin, von der schwedischen Insel Öland und der dänischen Insel Seeland. Die Industrialisierung Anfang
des 20. Jahrhunderts brachte es mit sich, dass die Bauindustrie einen erhöhten Bedarf an Kalk hatte. Zusätzlich benötigten auch die Zuckerfabriken den Kalk zur Reinigung des Zuckersaftes. Die älteren Stralsunder werden sich an die Seilbahn über der Greifswalder Chaussee zur Zuckerfabrik noch erinnern.
1942 wurde die Firma infolge des 2. Weltkrieges geschlossen und die Liegenschaft teilweise verpachtet. 1945 erfolgte die Enteignung durch die Sowjetische Militäradministration. Otto Broese wurde vorgeworfen, dass der Pächter auf einem Teil der Liegenschaft eine Sauerkrautfabrik betrieben hätte, womit das Naziregime unterstützt worden sei. Dieses Unrecht wurde 1955 teilweise rückgängig gemacht. Otto Broese hat dies nicht mehr erlebt, denn er verstarb am 02. April 1953, genau 45 Jahre nach Übernahme der Kalkbrennerei. Seine Frau, die Mutter von Käthe Broese, lebte auch nach dem Tod ihres Mannes in der Familien-Villa in Franzenshöhe; sie starb 1965. Käthe Broese verbrachte ihre Kindheit in der Frankenvorstadt und ging dort und später im Lyzeum (heutiges Hansa Gymnasium) zur Schule. Sie wurde Lehrerin und war auch an der Stralsunder Berufsschule tätig. Während des Krieges gelangte sie nach Mönchengladbach und heiratete dort am 19.08.1944 ihren Ehemann Heinz Knoff. Auch nach dem Krieg und dem Tod ihres Mannes blieb sie in Mönchengladbach und war dort als Lehrerin und Oberstudiendirektorin tätig.
Oft besuchte Käthe Knoff geb. Broese ihre Mutter im fernen Stralsund und frischte ihre Liebe zu ihrer Heimatstadt auf. In den 80er Jahren wurde sie Mitglied des Stralsunder Heimatkreises in Burg auf Fehmarn und beteiligte sich an dem Stralsunder Bürgerkomitee ”Rettet die Altstadt Stralsund“ e. V. in dem der Heimatkreis aufgegangen war. Sie nahm an Jahreshauptversammlungen und Veranstaltungen teil und bedachte den Verein mit mehreren Zuwendungen, vor allem dem schon erwähnten Grundstücksteil Franzenshöhe. Am 11 .02.2004 verstarb Käthe Knoff im hohen Alter von 89 Jahren in ihrer zweiten Heimat in Mönchengladbach. Trotz ihres Lebensschicksals, das durch Krieg und Unrecht geprägt war, behielt sie ihre Liebe zu Stralsund und freute sich über jede Einzelheit, die sich nach der Wende in Stralsund positiv entwickelte.
Wir Stralsunder sind ihr für diese Treue und die materielle Unterstützung beim Wiederaufbau von Stralsund zu tiefem Dank verpflichtet.


Dieter Bartels in G&T #37 April 2007