Kaufhaus Zeeck

Bei Mode und Qualität – immer erst zu Zeeck

Zu den ehemaligen traditionsreichen Stralsunder Warenhäusern gehört auch das Kaufhaus Zeeck, das in der Berichterstattung allerdings stets etwas im Schatten von Wertheim und Tietz steht. Es sei deshalb an dieser Stelle daran erinnert.
1884 eröffnete der 24jährige aus Garz auf Rügen stammende Eduard Zeeck einen Wäscheladen in der Wasserstraße 19.

Anzeige zur Firmenübernahme durch Eduard Zeeck

Aufgrund seiner Geschäftsphilosophie entwickelte sich der Laden zunächst zu einem Handelshaus und dann zu einem gefragten Modehaus. 1890 wird das große Modekaufhaus errichtet; es wird zweimal erweitert auf die Grundstücke 18 bis 22.

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Die Wasserstraße war bis zum 2.Weltkrieg neben der Ossenreyerstraße eine lebhafte Einkaufsmeile.
Ein zweites Kaufhaus wird dann in Dessau eröffnet. Auch die Brüder von Eduard Zeeck gründen eigenständig Häuser in mehreren Städten, z.B. in Kolberg, Rostock und in Lauenburg.
Nach dem Tode von Eduard Zeeck am 1921 übernimmt sein Neffe Richard Seitz als Gesellschafter das Geschäft.
Nach einigen Umbauten präsentiert sich das Gebäude im Stil imposanter Bürgerhäuser. Die Innenausstattung ist luxuriös und elegant. Ein großes Glasdach bringt Licht in die Verkaufsebenen. Ein gläserner Fahrstuhl befördert die Kunden und gibt den Blick frei in alle Etagen. 350 bis 400 Angstellte sorgen für zufriedene Kunden.
Es gab u.a. einen Erfrischungsraum, eine Schneiderei und eine Polsterwerkstatt. Ein Lieferservice – 4 Hausdiener in Livree – erledigte den Transport des Einkaufs zu den Kunden nach Hause. Außendienstmitarbeiter versorgten die Kunden auf Rügen. Das Unternehmen sorgte sozial für seine Angestellten; so wurde beispielsweise ein Unterstützungsfond für Unglücksfälle eingerichtet. 1909 fand aus Anlass des 25jährigen Betriebsjubiläums ein Festessen für alle Mitarbeiter statt, und jeder Mitarbeiter erhielt ein Sparbuch mit einer Einlage.
Der Bombenangriff vom 6. Oktober 1944 bedeutete für das Modehaus Zeeck ein tragisches Ende: es wurde völig zerstört.

im Bombenangriff 1944 zerstörtes Kaufhaus Zeeck

Ein Neuanfang gelang nach dem Krieg in den Räumen der Firma Thierfeld in der
Langenstraße 54. Unter großen Schwierigkeiten beschafften Richard Seitz und sein Neffe Friedrich Waren für die Stralsunder Bevölkerung.
Friedrich reiste mit seinem Privat-PKW zu den Firmen zum Einkauf. Später mietete er einen Eisenbahnwaggon und fuhr in Begleitung eines Polizisten wochenlang die
Textilfirmen in Deutschland ab.
Laut Verfügung vom Wirtschaftsamt wurde Seitz zur Verteilung der Textilien an alle Stralsunder Bekleidungsgeschäfte verpflichtet. Die üblichen Repressalien, denen private Geschäfte ausgesetzt waren, führten dazu, dass Friedrich Seitz Stralsund verließ. Zuvor heiratete er die Tochter des Apothekers Bernick aus der Bärenapotheke. Richard Seitz wurde sogar in Haft genommen. Er verstarb 1950. Damit endete die Ära Zeeck in Stralsund. Zu DDR-Zeiten wurde das Gebäude wieder aufgebaut und beherbergte das Wehrkreiskommando. Nach 1990 wurde das Haus aufwändig saniert. Gewerbe, Wohnungen und gastronomische Einrichtungen befinden sich heute darin.

Ingrid Wähler in G&T#61