Fa. Koch & Poggendorf

Wenn sich alte Stralsunder an die Zeit vor 1945 und das dammalige Wirtschaftsleben in der Stadt erinnern, wird eines der führenden Unternehmen, die Firma Koch & Poggendorf, geggenwärtig sein. Diese angesehene Firma betrieb einen regen Handel mit Getreide und Saatgut und hatte ihren Sitz auf der Hafeninsel, wo sich der lebhafte Umschlag abspielte.
Zur Geschichte: Aus der Magdeburger Börde stammend zog der Kaufmann Gustav Koch 1883 nach Stralsund, wo er in der Heilgeiststraße eine Seifenfabrik erwarb. In der Badenstraße befand sich im Eigentum des dänischen Konsuls Schmok ein Getreidegeschäft, das nach dessen Tod 1888 von Gustav Koch gekauft wurde. Er gründete dort seine eigene Firma. Mit einem Handwagen und 361 Säcken begann das Geschäft. Das dänische Konsulat wurde an Koch übertragen. 1893 kaufte er das Bürohaus Fährstraße 20 und den Hausspeicher Fährwallstraße. Nach dem 1 . Weltkrieg erkrankte Gustav Koch, er starb 1923. Der Betrieb wurde von seinem Sohn Friedrich Wilhelm und dem Mitinhaber Fritz Schlamm weitergeführt. 1924 gründeten beide mit den 3 Brüdern Rudolf, Hans und Gerhard Poggendorf die gemeinsame Firma.
Das aufblühende Unternehmen benötigte bald mehr Lagerkapazität und erwarb 1926 den von der Firma Teichen erbauten Türmchenspeicher in Hafenstr. 8. Ein trauriges Ereignis geschah 1928, Rudolf verunglückte tödlich beim Segeln. Die Umsatzsteigerung brachte auch eine Vergrößerung des Fuhrparks mit sich. Angefangen mit dem 1. Handwagen kamen Lohnfuhrwerke dazu. Dann wurden einige Rollwagen und bis zu 6 Pferde eingesetzt. Die noch ungefederten Wagen rumpelten mit einer Last bis zu 80 Ztr. durch die Straßen. Später folgten Motorfahrzeuge und LKW mit Zugmaschinen.

Entladearbeiten der Fa Koch & Poggendorf

Mit dem 2. Weltkrieg entstanden wie überall Probleme, z.B. durch Einzug der Fahrzeuge für den Heeresdienst. Am 6. Okt. 1944 traf der Bombenhagel die Firma hart. Das Bürohaus in der Fährstraße war ein Trümmerhaufen, der Hausspeicher teilweise zerstört. Alle Mitarbeiter hatten überlebt, da sie sich in einen Speicher zurückgezogen hatten. Mit dem Kriegsende 1945 änderte sich für das Unternehmen zunächst wenig. Dann aber durfte ab 1950 kein Handel mehr getrieben werden. Silos, Maschinen und das Tanklager wurden an die VEABverpachtet. Eine verbliebene Bürokraft, Frau Schmidt, wickelte die Geschäfte unter großen Schwierigkeiten in materieller und finanzieller Hinsicht ab. Nach ihrem Eintritt ins Rentenalter schlossen sich die
Türen 1988 von Koch & Poggendorl für immer. 2002 wurde die Firma endgültig liquidiert.

Ingrid Wähler aus G&T #62

Mönchstr. 8

Der mittelalterliche Stadtplan zeigt in Höhe der heutigen Mönchstr. 8 die seinerzeit noch als Die-Münche-Strasse Hausstelle 55 im St. Georgen Viertel, gezählt wurde, stattliche Giebelhäuser. Ein paar Jahre später dokumentieren die schwedischen Landvermesser am gleichen Ort eine wüste Stelle.

Dieser Platz oder Wüste ist der Erden gleich, sind keine Mauern oder Kellern draud, die vorn nach der Straßen stehen, die HaußThür und Fenster Mauer sind mit Brettern bekleydet, darauf ist ein Brau Haß gestanden, und sind die rudera des Dare Ofens in der BrandMauer zu sehen.

Es mag bis zur ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gedauert haben, bis Andreas Brink das Gebäude auf den mittelalterlichen Grundmauern neu als dreigeschossiges traufständisches Haus errichtete. Im barocken Stil gehalten, wurde jedoch die im Mittelalter typische Dielenform unter Verwendung der bestehenden Bausubstanz aufgegriffen. Mehrfach wechselten die Besitzer und deren Vorlieben.

Grundstückszuschnitte/Kataster um 1700
heutige Zuschnitte der Grundstücke

Das Baugeschäft Augustin Hotze & Söhne war hier noch bis 1972 ansässig und die Familie Hotze verließ wegen der Repressalien und Enteignungen zu DDR-Zeiten die Stadt gen Westen. Erst Anfang der neunziger Jahre gelang die Rückübertragung der massiv vernachlässigten Gebäudereste an die Alteigentümer, freilich in ziemlich desolatem Zustand.

Die anstehenden Sanierungsarbeiten förderten erstaunliches zu Tage. Unter einer einfachen Holzverschalung kamen in der Diele im Wand- und Deckenbereich große barocke Akanthusmalereien zum Vorschein. Diese waren farbig gehalten und in einem erstaunlich guten Zustand. Wie in solchen Fällen üblich, mussten diese unterste Farbschicht gesichert, darüberliegende Anstriche vorsichtig entfernt werden, um so das Gesamtbild aus der Barockzeit Mitte des 18. Jahrhunderts wieder sichtbar werden zu lassen.

Aber natürlich haben auch spätere Zeiten Spuren hinterlassen. Liebevoll wurden Sichtfenster mit diversen Anstrichen aus verschiedenen Epochen rekonstruiert. Auch Tapetenschichten konnten voneinander getrennt und so in ihren zeitlichen Kontext gestellt werden.

Eine Besonderheit stellen auch die in mittelalterlichen Bögen eingebauten hölzernen Wandschränke dar. Diese gerieten offenbar in späteren Jahren in Vergessenheit. Werkzeuge, Schusterutensilien, eingewecktes Obst zeugen von der Nutzung durch frühere Bewohner.

Wandschränke mit Inventar

Heute steht die Diele dank der generösen Unterstützung der Familie Hotze für die Öffentlichkeit zur Verfügung. Hier hat sich mit der KulturDIELE M8 ein kleiner aber feiner Ort etabliert, an dem Theateraufführungen, Lesungen und Konzerte stattfinden.

In der Mühlenstraße 8 gibt es neben der KulturDIELE ein Büroraum mit Fenster zur Straße – das Kontor. Dieser kann als „co-working space“ genutzt werden kann. Hierfür stehen auch Schließfächer und WLAN zur Verfügung. Die Vermietung erfolgt über Herrn Hotze.

Aber auch für private Feiern kann die Räumlichkeit mit dem historischen Ambiente gemietet werden.

2026 hat das Haus ein Koggensiegel bekommen.

Langenstraße 29

Vor ziemlich genau 10 Jahren, Ende 2015, wurden die Türen des traditionellen Unternehmens „Möbelhaus A. Thierfeld“ in der Langenstraße 29 endgültig geschlossen. Seitdem stand das Gebäude mehr oder weniger ungenutzt und unbewohnt. Nun finden seit dem letzten Jahr umfangreiche Umbauarbeiten statt.

Im Juli letzten Jahres berichtete bereits die Ostseezeitung über die Bautätigkeiten am Gebäude. Der neue Eigentümer, die BSB Bau Malchin GmbH, baut das Gebäude unter Erhalt der Straßenfassade mit großen Aufwendungen um. Nach Aussage des neuen Eigentümers ermöglichte der vorgefundene Zustand des alten Gebäudes, insbesondere der hofseitigen Anbauten, keine Sanierung im Bestand, sodass hinter der alten Fassade mehr oder weniger ein Neubau entsteht. Die bisher durchgeführten rückwärtigen Teilabbrüche waren sehr zeitaufwendig, da die Baustelle nur von der Straße aus zugänglich ist. Ein großer Kran sowie eine Vollsperrung sind dafür seit ca. eineinhalb Jahren erforderlich. Sicherlich ist diese Situation für einige Anwohner, insbesondere für die direkten Anlieger, einschränkend. Wenn auch die derzeitige Sackgassensituation der vom Neuen Markt führende und durchaus gut befahrenden Altstadtstraße eine willkommene Verkehrsberuhigung für die Anwohner darstellt.

Die Fassade ist für den Erhalt gesichert worden und wird im Bestand saniert. Die alten Schaufenster sind bereits durch neue Fensteröffnungen, angepasst an die Flucht der darüber vorhandenen Fenster in den Obergeschossen, umgebaut worden. Und hinter der Fassade sind beim Vorbeigehen die Rohbauarbeiten zu beobachten, die parallel im Vorder- und Hinterhaus stattfinden. Der alte Schriftzug „Möbelhaus A. Thierfeld“ soll nach der Fertigstellung weiter an der Fassade verbleiben und somit an das ehemalige Traditionsunternehmen erinnern.

Bereits im Jahre 1913 übernahm der Tischler Alfons Thierfeld, Großvater von Karsten Thierfeld dem letzten Inhaber, das Gebäude. Der Staude-Plan von 1647 zeigt im Bereich dieser Häuserzeile noch eine vollständige Bebauung. Im Jahre 1734 wurde das Gebäude hingegen in einer Baulücke errichtet. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts bis ca. 1900 waren mehrere Bäckereien im Erdgeschoss ansässig. In chronologischer Abfolge waren dies zunächst der Bäcker Peter Vahl, ab 1788 der Bäcker Christian Wilde, ab 1840 der Bäcker Samuel Warnke und ab 1844 übernahm Theodor Adolph Friedrich Danckwardt die Bäckerei. Das erste Schaufenster wurde von der Kaufmannsfamilie Drews im Jahre 1858 eingebaut. Bekannt ist, dass auch der Möbelhändler H. H. Drews hier ansässig war. Mit der Übernahme des Gebäudes durch den Tischler Alfons Thierfeld im Jahre 1913 wurden größere Umbauten vorgenommen, um im Erdgeschoss ein Ladengeschäft für Möbel einrichten zu können. Dabei wurden unter anderem die ehemalige Hauseingangstür sowie die Treppenanlage im Gebäude so an die Seite des Gebäudes umverlegt, dass das Schaufenster vergrößert werden konnte. Mit dem Zukauf der hofseitig anschließenden Frankenstraße 54 im Jahre 1951 konnte der Unternehmenssitz erweitert werden. Seinen Ursprung hatte die Tischlerei jedoch in der Schillstraße 30, wo Alfons Thierfeld im Jahre 1900 mit einer kleinen Tischlerei für Möbelbau seinen ersten Firmensitz (später dann in der Heilgeiststraße 2) hatte.

In den 30er Jahren wurde unter Federführung der beiden Söhne, Werner und Herbert Thierfeld, der Getreidespeicher in der Langenstraße 54 erworben (aktuell befinden sich in diesem Gebäude Räumlichkeiten des Gartenhaus e. V.). Das Gebäude wurde zu einem größeren Möbelhaus umgebaut, sodass in insgesamt fünf Geschossen Möbel ausgestellt und verkauft werden konnten. Die Ummeldung der Gewerbeberechtigung für die neuen Inhaber Werner und Herbert Thierfeld erfolgte ab dem 1. Januar 1937. Nebenbei noch bemerkt, der Möbelhändler Alfons Thierfeld und die Tischlerei Herrmann & Co. aus Stralsund gründeten 1950 gemeinsam die Stralsunder Möbeltischlerei, die ihre Fortsetzung in der „Stralsunder Möbelwerke GmbH“ fand.

Nun dürfen wir gespannt auf eine baldige Fertigstellung und ein weiteres saniertes Gebäude in unserer Altstadt sein.

Kati Rehberg
aus G&T #93

Giebel & Traufen #93 Dezember 2025

Über die historische Entwicklung des Areals auf dem Dähnholm berichtet Dr. Muschter vom Förderverein Marinemuseum. Eine Nachlese der alljährlichen Diskussionsveranstaltung mit dem Leiter des Amtes für Planung und Bau der Hansestadt Stralsund steuert Heiko Werner bei. Ein paar Jahrhunderte zurück reicht der Blick auf St. Peter und Paul, deren genaue Lage noch immer Rätsel aufwirft. Mit der Langenstraße 29 wird ein aktuelles Bauprojekt näher beleuchtet. Zur Novellierung des Denkmalschutzgesetzes MV informiert MdL Beatrix Hegenkötter und die Weihnachtswünsche kommen wie in jedem Jahr vom Vorsitzenden.

Klosterfest in Stralsunder Kloster St. Johannis am 10. Mai

Durch das Engagement des Bürgerkomitees „Rettet die Altstadt Stralsund“ e. V. können seit Pfingsten 2024 im Rahmen öffentlicher Führungen der Rosengarten und die Außenanlagen des Johannisklosters wieder besichtigt werden. Der Stralsunder Traditionsverein e. V. hat am 14. und 15. Dezember 2024 im Johanniskloster den St. Nikolaus-Markt organisiert und durchgeführt. Spätestens seitdem ist das Johanniskloster wieder im öffentlichen Bewusstsein der Stralsunder und seiner Gäste angekommen.
Dieser Tradition folgend, laden Stralsunder Vereine für den 10. Mai 2025 zum Klosterfest in St. Johannis ein. Das Klosterfest reiht sich in die Veranstaltungen anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation in Stralsund ein. Dafür haben sich das Bürgerkomitee „Rettet die Altstadt Stralsund“ e. V., der Stralsunder Traditionsverein e. V., der Kunstverein Stralsund e. V., der Stralsunder Geschichtsverein e. V., der Literaturkreis Stralsund und die KULT-Touren DIE fromme Dagmar ein reichhaltiges Programm ausgedacht. Unterstützt werden die Vereine von der Hansestadt Stralsund und der Stadterneuerungsgesellschaft Stralsund mbH. Am 10. Mai findet auch der bundesweite Tag der Städtebauförderung statt. Dieser Tag trägt in diesem Jahr das Motto „Lebendige Orte, starke Gemeinschaften“. Das Klosterfest ist bestes Beispiel dafür.
Diesem Motto tragen sowohl das Johanniskloster als auch die Veranstalter selbst Rechnung. Eine starke Gemeinschaft – Stralsunder Vereine in Verbindung mit der Hansestadt Stralsund und der Stadterneuerungsgesellschaft Stralsund mbH – erwecken das Johanniskloster wieder zu einem lebendigen Ort.
Wir hoffen gemeinsam, dass die öffentlichen Führungen durch den Rosengarten und (mindestens) die Außenanlagen des Johannisklosters, der St. Nikolaus-Markt und das Klosterfest auch in den kommenden Jahren zu festen Veranstaltungen in St. Johannis werden.
Wie freuen uns über die Unterstützung durch das Zentrale Gebäudemanagement der Hansestadt Stralsund. Oberbürgermeister Alexander Badrow wird das Klosterfest eröffnen.

Die Vereine und die Stadterneuerungsgesellschaft Stralsund mbH haben für das Klosterfest ein reichhaltiges Programm vorbereitet. So gibt es eine Führung zum Thema „Kirchen, Klöster, Hospitäler“, einen Vortrag zum Kirchenbrechen in Stralsund 1525, Buchlesungen, Führungen im Kloster, Kreativworkshops für Groß und Klein sowie Vorlesen für Kinder. Natürlich kann auch der Rosengarten – mit dem durch das Bürgerkomitee wieder belebte Rosenbeet – besichtigt werden.
In Form von Speis und Trank wird auch für das leibliche Wohl gesorgt.
Das komplette Programm finden Sie hier: Programm Klosterfest
Zusammen mit der an diesem Tag auf der Nördlichen Hafeninsel stattfindenden „Blaulichtmeile“, erwartet die Stralsunderinnen und Stralsunder sowie ihre Gäste ein abwechslungsreicher, unterhaltsamer Tag.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Am Fischmarkt

Wie viele andere Gebäude war auch das Quartier zwischen der Wasserstraße und der Straße am Fischmarkt im Bereich des Semlower Kanals stark vernachlässigt worden. Während in der Wasserstraße das ehemalige Kaufhaus Weyergang (Wasserstr. 72) verfiel, sah es dahinter (Am Fischmarkt 4) nicht besser aus.

Am Fischmarkt 4/5 um 1994

Das Haus Am Fischmarkt 4 wurde um 1870 errichtet. Es hat eine interessante Hofsituation mit einem Torbogen in Richtung Semlower Kanal. Der nördliche Gebäudeteil verfügte über einen Rechteckerker, der bereits so baufällig war, dass er straßenseitig mit einer massiven Holzkonstruktion abgestützt werden musste. Auch der Torborgen war einsturzgefährdet. Leider kam es um 1997 zu einem tödlichen Unfall an dieser Stelle, als herabfallende Putzstücke einer Person auf den Kopf fielen. Die Stadt nahm diesen bedauerlichen Unfall zum Anlass, um danach an vielen gefährdeten Häusern den Putz abschlagen zu lassen, damit von ihm keine Gefahr mehr ausging. Es stand im Raum, dass besonders einsturzgefährderte Gebäude Am Fischmarkt 4 komplett abzureißen. Dagegen regte sich Widerstand, der zu dem angebrachten Transparent führte.

Zustand 2025