Stralsunder Firmen

Stralsund verfügt über eine reiche Wirtschaftsgeschichte. Zeitweilig war sie eine der reichsten Städte im Ostseeraum. Doch auch in den letzten einhundert Jahren gibt es beispiele für Firmen, die eine überregionale Bedeutung hatten. In loser Folge spüren wir einigen von ihnen nach:

Das Kaufhaus Philipp Weyergang Sohn

Das Jahr 2006 war das 190. Gründungsjahr der Firma: PHILIPP WEVERGANG SOHN, einem Laden mit Eisen- und Kurzwaren, der zum ersten Stralsunder Kaufhaus wurde. In der Wasserstraße 71/72 hat sich die Kaufmannsfamilie Weyergang ein Denkmal geschaffen, das das Straßenbild prägt. Friedrich Wilhelm Albert, der Sohn des Geschäftsgründers, ließ 1867 ein mit zwei Flügeln am Wallgang (seit 1869 Am Fischmarkt) grenzendes Geschäftshaus in erwelterter Formensprache zu den im Umfeld vorhandenen kleineren Häusern errichten. Es war höher, hatte eine andere Dachform, und die breiten Schaufensteröffnungen in der Wasserstraße ermöglichten es, dem Publikum schon auf der Straße das vorzustellen, was im Inneren zu haben war. Am Wallgang überraschte den Betrachter die Wirkung, die von der Schönheit des Barock-übergiebelten Südflügels und vom Nordflügel mit seinem Erker und einer Putte (nackter kleiner Knabe) mit Merkurstab ausging. In Altstralsund finden wir diesen von einer Putte gehaltenen Merkurstab nur an zwei Fassaden, hier und am Haus Badenstraße 7. Als wieder ein Neubau nötig war, lässt Philipps Enkel, Albert Gustay, im Jahre 1898 von der Baufirma Th.Teichen/E.Dalmer auf dem Nebengrundstück ein bis zur Straße Am Fischmarkt reichendes Haus mit einer gut durchdachten Fassadengliederung errichten. Zaghaft war dieser Kaufmann nicht, und wir sehen, dass sich das auch baukünstlerisch beim eleganten Verbinden beider Baukörper zum ersten Stralsunder Kaufhaus ausdrückte. Die Fassade wird im Erdgeschoss von einer teilweise verkleideten modernen Stahlkonstruktion getragen. Die Schaufenster beider Häuser wurden mit den gleichen Metallprofilen gestaltet, und auch das erste Obergeschoss bekam einen attraktiven Schaufensterbereich. Besonders aufwändigen Schmuck erhielten die Obergeschosse mit den Stuckrosetten, auf denen der Betrachter die PWS-Monogramme, das Gründungsjahr 1816 und das auf Philipp gemünzte Wort ”Begnadet“ enträtselt. Zusammen mit dem
über den Schaufenstern direkt auf den Putz geschriebenen Firmennamen ergab sich für die Straßenfassade eine Firmenwerbung, die sich dem Baukörper harmonisch unterordnete. An der Giebelseite hingegen wurde tief in die Werbekiste gegriffen und über zwei Etagen in großen Werbelettern über einem aufgemalten Kinderwagen das Warenangebot propagiert. Auf diese Weise versuchte man, die tote Brandwand zu kaschieren und gleichzeitig maximalen Werbeeffekt zu erreichen. Bei diesem Haus rechnete das 2. Obergeschoss noch mit der Wirkung des braunen Backsteins. Auch am Giebel, einem spitzen Türmchen und an der Fassade Am Fischmarkt hatte sich der Architekt viel Mühe mit der Veredelung des Ziegelsteins gegeben.
Alle fünf Abschnitte der Fassaden, zwei in der Wasserstraße und drei Am Fischmarkt, in unterschiedlichen Architektursprachen, waren von hohem Werbewert und für die ganze Geschäftswelt bahnbrechend. Sie bildeten eine Sammlung interessanter Einzelbaukunstwerke im Gesamtbild der Altstadt.
Der Krieg, die Nachkriegszeit und nicht zuletzt das Fehlen eines Nachfolgers haben zum Niedergang dieses einst angesehenen Hauses geführt. Die Faszination Kaufhaus war Ende 1952 für immer vorbei. Die Wertesignale dieser Straße; die bis zum 2. Weltkrieg eine lebhaft genutzte Geschäftsstraße mit Gewerbe war, haben sich im Laufe der Zeit erheblich verändert. Abgesehen von Verkehrsgeräuschen wurde
sie immer ruhiger. Durch den Leerstand nach 1996 und nur notdürftig durchgeführten Reparaturen am Dach kam es zu enormen Bauschäden und zu einem tragischen Unfall durch herabstürzendes Mauerwerk.

Wasserstr. 71 Zustand im Jahr 2000

Um die Häuser zu retten und einer sinnvollen Nutzung zuzuführen, wurden sie nach dem Herbst 1989 von der Treuhand zunächst Familienmitgliedern zum Rückkauf angeboten. Dem mutigen Bauunternehmer Willi Pekran ist für die Rettung dieses einzigartigen Denkmals zu danken. Im Jahr 2000 erwarb er das Grundstück und sanierte es derart, dass Raum für 25 Wohnungen, den,SpielsaIon Phönix‘ und die Gaststätte ’Seewolf‘ geschaffen wurde. Er erweiterte den Häuserkomplex durch einen Neubau. Die Fassaden am Vordergebäude des Kaufhauses erhielten ihre ursprünglichen Formen und Farben bis auf die Schaukästen, die in früheren Zeiten mit Auslagen lockten. An
ihrer Stelle blieben Lücken in den Pfeilern. Sie hätten verkleidet schöner ausgesehen. Das Mansardendach erhielt Gauben an den Stellen, wo es bis zum Sanierungsbeginn nur Dachpfannen aus Glas gab. Wer das Haus noch aus der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts in seiner Erinnerung hat, weiß, dass es hier einmal
Walmgauben mit Hauben gab, die jeweils von einer Kugel gekrönt wurden. Die sichtbarste Veränderung erfolgte an der mittleren Fassade Am Fischmarkt. Wo ehemals ein durch eine Bornbe zerstörter barocker Giebel war, ist jetzt eine Loggia und gleich dahinter wurde ein für dieses mehrgeschossige Haus notwendiger Fahrstuhlschacht gemauert. Zum Glück behielten beide nachbarlichen Fassaden ihre reiche Gestaltung aus der Gründerzeit.

Willi Frankenstein in G&T#36

Kaufhaus Zeeck

Bei Mode und Qualität – immer erst zu Zeeck

Zu den ehemaligen traditionsreichen Stralsunder Warenhäusern gehört auch das Kaufhaus Zeeck, das in der Berichterstattung allerdings stets etwas im Schatten von Wertheim und Tietz steht. Es sei deshalb an dieser Stelle daran erinnert.
1884 eröffnete der 24jährige aus Garz auf Rügen stammende Eduard Zeeck einen Wäscheladen in der Wasserstraße 19.

Anzeige zur Firmenübernahme durch Eduard Zeeck

Aufgrund seiner Geschäftsphilosophie entwickelte sich der Laden zunächst zu einem Handelshaus und dann zu einem gefragten Modehaus. 1890 wird das große Modekaufhaus errichtet; es wird zweimal erweitert auf die Grundstücke 18 bis 22.

Werbeanzeige

Die Wasserstraße war bis zum 2.Weltkrieg neben der Ossenreyerstraße eine lebhafte Einkaufsmeile.
Ein zweites Kaufhaus wird dann in Dessau eröffnet. Auch die Brüder von Eduard Zeeck gründen eigenständig Häuser in mehreren Städten, z.B. in Kolberg, Rostock und in Lauenburg.
Nach dem Tode von Eduard Zeeck am 1921 übernimmt sein Neffe Richard Seitz als Gesellschafter das Geschäft.
Nach einigen Umbauten präsentiert sich das Gebäude im Stil imposanter Bürgerhäuser. Die Innenausstattung ist luxuriös und elegant. Ein großes Glasdach bringt Licht in die Verkaufsebenen. Ein gläserner Fahrstuhl befördert die Kunden und gibt den Blick frei in alle Etagen. 350 bis 400 Angstellte sorgen für zufriedene Kunden.

Ansicht Kaufhaus Zeeck nach letztem Umbau 1928


Es gab u.a. einen Erfrischungsraum, eine Schneiderei und eine Polsterwerkstatt. Ein Lieferservice – 4 Hausdiener in Livree – erledigte den Transport des Einkaufs zu den Kunden nach Hause. Außendienstmitarbeiter versorgten die Kunden auf Rügen. Das Unternehmen sorgte sozial für seine Angestellten; so wurde beispielsweise ein Unterstützungsfond für Unglücksfälle eingerichtet. 1909 fand aus Anlass des 25jährigen Betriebsjubiläums ein Festessen für alle Mitarbeiter statt, und jeder Mitarbeiter erhielt ein Sparbuch mit einer Einlage.
Der Bombenangriff vom 6. Oktober 1944 bedeutete für das Modehaus Zeeck ein tragisches Ende: es wurde völig zerstört.

im Bombenangriff 1944 zerstörtes Kaufhaus Zeeck

Ein Neuanfang gelang nach dem Krieg in den Räumen der Firma Thierfeld in der
Langenstraße 54. Unter großen Schwierigkeiten beschafften Richard Seitz und sein Neffe Friedrich Waren für die Stralsunder Bevölkerung.
Friedrich reiste mit seinem Privat-PKW zu den Firmen zum Einkauf. Später mietete er einen Eisenbahnwaggon und fuhr in Begleitung eines Polizisten wochenlang die
Textilfirmen in Deutschland ab.
Laut Verfügung vom Wirtschaftsamt wurde Seitz zur Verteilung der Textilien an alle Stralsunder Bekleidungsgeschäfte verpflichtet. Die üblichen Repressalien, denen private Geschäfte ausgesetzt waren, führten dazu, dass Friedrich Seitz Stralsund verließ. Zuvor heiratete er die Tochter des Apothekers Bernick aus der Bärenapotheke. Richard Seitz wurde sogar in Haft genommen. Er verstarb 1950. Damit endete die Ära Zeeck in Stralsund. Zu DDR-Zeiten wurde das Gebäude wieder aufgebaut und beherbergte das Wehrkreiskommando. Nach 1990 wurde das Haus aufwändig saniert. Gewerbe, Wohnungen und gastronomische Einrichtungen befinden sich heute darin.

Ingrid Wähler in G&T#61

Klosterfest St. Johannis 2026 – Stralsunds Vereine verwandeln historisches Kloster in lebendigen Begegnungsort

Klosterfest St. Johannis 2026

Am 6. und 7. Juni 2026 wird das Johanniskloster in Stralsund erneut zur Bühne für Kultur, Gemeinschaft und gelebtes Erbe: Bereits zum zweiten Mal laden zahlreiche Stralsunder Vereine gemeinsam mit der Hansestadt Stralsund zum Klosterfest St. Johannis ein – und setzen dabei ein starkes Zeichen für bürgerschaftliches Engagement.
Nach dem erfolgreichen Auftakt im vergangenen Jahr ist das Interesse weiter gewachsen: Statt 14 beteiligen sich nun 23 Vereine, Initiativen, Einrichtungen und Unterstützer an der Organisation und Gestaltung des Festes. Das Ergebnis ist ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm für Besucherinnen und Besucher jedes Alters.
An beiden Tagen erwartet die Gäste ab 11:30 Uhr ein buntes Treiben im historischen Ambiente des Klosters. Vereine präsentieren sich an liebevoll gestalteten Ständen und laden zu Mitmachaktionen wie Workshops, Bastelangeboten und Büchermärkten ein. Ein besonderes Highlight sind die mehrfach täglich stattfindenden Führungen durch die beeindruckende Klosteranlage (Anmeldung über die Homepage des Bürgerkomitees „Rettet die Altstadt Stralsund“ e. V.) sowie ein Besuch des weiterentwickelten Rosengartens.
Der Samstag (6. Juni) steht ganz im Zeichen kultureller Vielfalt: Auf der Chorbühne sorgen Musik, Vorträge und Lesungen für ein abwechslungsreiches Programm und laden zum Verweilen ein.
Am Sonntag (7. Juni) rückt das Klosterfest in den Kontext des bundesweiten Welterbetages. Exklusive Führungen erfahrener Gästeführer laden um 12:00 Uhr, 13:30 Uhr und 15:00 Uhr zu Rundgängen durch die historische Altstadt Stralsunds ein. Treffpunkt ist die Gedenkstele im Klostervorhof.
Ziel des Klosterfestes ist es, die Vielfalt der Stralsunder Vereinslandschaft sichtbar zu machen, Menschen zusammenzubringen und das kulturelle Erbe der Stadt lebendig erfahrbar zu gestalten. Für das leibliche Wohl ist selbstverständlich gesorgt.
Weitere Informationen zum Programm sind unter anderem auf der Internetseite des Bürgerkomitees (https://buergerkomitee-stralsund.de/veranstaltung/klosterfest-in-st-johannis-2026/) zu finden.
In Kombination mit den parallel stattfindenden Stralsunder Hafentagen erwartet die Besucherinnen und Besucher ein erlebnisreiches Wochenende voller Kultur, Begegnung und Unterhaltung.
Seien Sie dabei – wir freuen uns auf Ihren Besuch!

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Kontakt für die Medien:

Olaf Fromme
Vorstandsvorsitzender
Bürgerkomitee „Rettet die Altstadt Stralsund“ e. V.
Frankendamm 67a
18439 Stralsund
Tel. +49 3831 43 48 400

Anmeldung Klosterführung

Im Sommer 2026 bieten wir zwei zusätzliche Führungen im Johanniskloster (innen und außen) an. Wegen der begrenzten Kapazitäten ist eine Voranmeldung unbedingt erforderlich! Die Anmeldung kann per E-Mail unter kontakt@buergerkomitee-stralsunde.de, per Telefon unter 03831/4348400 oder über das nachfolgende Formular erfolgen. Bitte beachten Sie unbedingt die noch verfügbaren Plätze! Diese werden bei der Terminauswahl angezeigt. (Wg. noch offener Verarbeitungen kann die Zahl der freien Plätze ggf. niedriger sein.)

Gegebenenfalls sind noch nicht abgeholte Einzelkarten vor Ort erhältlich.

    Leider sind alle Plätze ausgebucht.

    Bitte beachten Sie, dass Sie nur nach einer Bestätigung durch den Veranstalter sicher an der Führung teilnehmen können.

    Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Führungen leider nicht barrierefrei sind.

    Alle Führungen sind kostenfrei. Spenden zu Gunsten des Bürgerkomitees nehmen wir gern entgegen.

    Baustart Rekonstruktion Lucht-Kanzel

    Nach vielen Jahren des Stillstandes geht es nun endlich weiter: Die Lucht-Kanzel in St. Jakobi ist seit dem 18. März eingerüstet und wird zunächst teilweise zurückgebaut, um sie dann mit den (hoffentlich) korrekten Maßen wieder zusammenzusetzen. Hintergrund ist, dass bestimmte noch vorhandene Originalteile dieses in den dreißiger Jahren als „schönste Kanzel Pommerns“ bezeichneten Bauwerks noch vorhanden sind, aber leider nicht mehr „ranpassen“. So existieren noch Wangenteile der Aufstiegstreppe, größere Teile des Eingangsportals sowie Holzschnitzereien, die unterhalb des Kanzelkorbes angebracht werden sollen. Alles wertvolle Arbeiten, die bislang im Depot liegen mussten. Die Rekonstruktion der Lucht-Kanzel ist ein überaus komplexes Unterfangen, da sie vor dem Krieg demontiert und (z.T.) falsch eingelagert wurde. Holzteile haben sich durch Feuchtigkeit verzogen, Steinmetzarbeiten sind beschädigt usw. Zeichnungen und Fotos sollen helfen, die Kanzel wieder soweit wie möglich mit den Orinalteilen wieder aufzubauen. Es ist noch etwas unklar, wo genau der oder die Fehler bei der Anfang der zweitausender Jahre durchgeführten ersten Sanierungsphase gelegen haben können. Aktuell werden von den Restauratoren daher umfangreiche Messungen und Bestandsaufnahmen vorgenommen, bevor dann die Demontage des Kanzelkorbes erfolgen kann. Diese Rekonstruktion erfolgt ausschließlich aus privaten Spendenmitteln, die über mehrere Jahre gesammelt wurden. Unser Dank geht an die Tantau-Stiftung, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und vielen privaten Spenderinnen und Spendern. Auch das Bürgerkomitee konnte einen fünfstelligen Betrag beitragen um die Gesamtfinanzierung abzusichern. Wir wünschen den Restauratoren ein gutes Auge, kluge Köpfe und Erfolg bei dieser überaus schwierigen Aufgabe.

    Heiko Werner in G&T#94

    Das Kloster Mariakron

    Wohl jeder kennt die beiden großen Klöster in Stralsund, das ehemalige Franziskanerkloster St. Johannis in der Schillstraße und das Dominikanerkloster St. Katharinen in der Mönchstraße. Weniger bekannt ist das ehemalige Brigittinenkloster Mariakron. Es befand sich außerhalb der Stadtmauern am nördlichen Ende des Jungfernstiegs, zwischen der heutigen Mariakronstraße, der Ketelhotstraße und dem Carl-Heydemann-Ring. Historisch belegt ist der Name Jungfernstieg, dieser erscheint schon 1427 als „Jungfrauenstieg“ – der Weg, der zum Kloster führt.

    In dem genannten Bereich befand sich seit 1350 ein Kirchhof und die Maria-Magdalenen-Kapelle, welche später abgerissen wurde, da sie sich als zu klein für das 1421 gegründete Kloster erwies. Das Kloster geht zurück auf die heilige Brigitta von Schweden, die 1346 das Urkloster der Brigittinen Vadstena am Vätternsee errichtete. Die Stadt Stralsund stellte den Bauplatz am Moorteich zur Verfügung. Von den Bürgern wurde das Kloster durch etliche Stiftungen und Sachspenden unterstützt. Für eine neue Kirche wurde 1446 der Grundstein gelegt und das Ereignis mit großem Prunk gefeiert.

    Mariakron war ein Doppelkloster. In einem Teil lebten die Nonnen, in einem anderen die Mönche. Die Wohnbereiche waren durch eine Mauer getrennt. Es gab eine gemeinsame Küche. Gekocht wurde von den männlichen Bewohnern und durch eine „Rolle“, heute würde man es wohl Durchreiche nennen, wurde das Essen zum weiblichen Teil der Bewohner gebracht.

    Nördlich der Kirche lag der Doppelbau des Klostergebäudes, südlich befand sich, streng getrennt der Hof der Mönche und Priester. Zum Kloster gehörte auch ein umfangreicher Friedhof für Arme und Hingerichtete, der sich bis zur heutigen Friedrich-List-Straße erstreckte, der noch 1733 im Festungsplan der Stadt Stralsund erwähnt wurde. Hier fand z. B. die bekannte Kindesmörderin Maria Flint ihre letzte Ruhe.

    Wie hat man sich kleidungsmäßig die damaligen Klosterbewohner vorzustellen? Die Nonnen waren mit grauem Rock und Mantel bekleidet, trugen auf dem Kopf eine Krone aus weißen Leinenstreifen und einen schwarzen Schleier. Rote Flecken sollten die Wundmale von Jesus Christus darstellen. Auch die Brüder trugen graue Röcke und Mäntel mit roten Kreuzen für die Priester.

    Zur Zeit der Reformation 1525 brach über das Kloster das Unheil herein. Die aufgebrachten Volksmassen die schon St. Nicolai und St. Johannis verwüsten hatten, machten auch vor Mariakron nicht halt.

    In ihrer Zerstörungswut zertrümmerten sie Bildwerke, verwüsteten die Unterkünfte, die Hallen und verbrannten Altäre. Die Mönche wurden aus der Stadt verwiesen, die Nonnen wurden umgesiedelt und fanden lebenslange Unterkunft im Katharinenkloster.

    Danach wurde das Mariakronkloster abgetragen und die Klosterformatsteine für andere Zwecke, unter anderem für den Festungsbau, verwendet. Nach der Reformation wurden die beiden Klöster St. Annen- und St. Brigitten (Mariakron) zusammengelegt. Auch dieses Gebäude gibt es noch in der Schillstraße, dem heutigen Ordnungsamt.

    Es gab leider keine vollständige bildliche und zeichnerische Darstellung vom Kloster. Lediglich ein Teildarstellung hat sich im Stralsund Museum erhalten.

    Teildarstellung Kloster Mariakron (Stralsund Museum – Digitalbearbeitung: H.W.)

    Umso interessanter war die Tatsache, dass man 1931 beim Bau der Ketelhotstraße Fundamente des einstigen Klosters fand.

    1956 wurden bei archäologischen Ausgrabungen Reste der ehemaligen Kapelle, ein Klostersiegel und weitere Artefakte entdeckt. Rätselhaft bleibt, woher die Knochen der kleinen Kinder stammen, die dort gefunden wurden.

    Ingrid Wähler in G&T#94

    Zwischen Agonie und Aufbruch

    Die Stralsunder Lokschuppen im Wandel ihrer Äußerlichkeit und der Zeit

    Die verbliebenen Bauwerke und Anlagen des ehemaligen Bahnbetriebswerkes (Bw) Stralsund, rechtsseits gelegen an den nach Süden führenden Ausfahrtgleisen, lassen kaum eine Vorstellung zu, wie viele Eisenbahner und Mitarbeiter des Bw dort mit Tatkraft und Fleiß arbeiteten, welch vielfältige verkehrstechnische Anlagen und Maschinen im Betrieb waren und welche verkehrshistorisch bedeutsame Rolle die Eisenbahn in und für Stralsund einst gespielt hat.

    Der Anschluss Stralsunds an das Gleisnetz und die damit entstandene Verbindung mit den umliegenden und relevanten Städten Norddeutschlands datiert bereits ins 19. Jahrhundert zurück – 1863 Anschluss via Angermünde und 1878 via Neubrandenburg nach Berlin, bis 1888 via Velgast nach Ribnitz und Rostock, ab 1883 mit der bahntechnischen Erschließung der Insel Rügen dann auch nach Skandinavien per Fähre.

    Stralsund stand somit in den folgenden Jahrzehnten zunehmend über viele Relationen mit den größeren und bedeutenden Städten über den Nah- und Fernverkehr in Verbindung, was sich in der zunehmenden Anzahl an Zugumläufen im Personenverkehr und Leistungen im Gütertransport widerspiegelte. Damit verbunden war die Zunahme von Lokomotiven und Waggons, die angeschafft, bedient und unterhalten werden mussten. Das Bahnbetriebswerk Stralsund als zentrale Anlaufstelle und Ort zur Koordination der Zugbewegungen, aber auch der Restauration, Unterhaltung, Reparatur und Abstellmöglichkeit, v. a. für die Lokomotiven, expandierte daher in Form einer zunehmenden Anzahl an Gebäuden und Mitarbeitern in den folgenden Jahren und Jahrzehnten.

    Ostfassade Lokschuppen 1

    Der Lokschuppen 1, am nördlichsten gelegen, wurde 1879 gebaut und umfasste damals einen 4-ständigen Lokschuppen mit Drehscheibe, der später erweitert wurde auf 15 Stände – also 15 nebeneinander angeordnete Abstellplätze für Lokomotiven in einer großen Halle. Mit der rasanten Entwicklung des Eisenbahnverkehrs steigerte sich der Bedarf an weiteren Anlagen, und so wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Lokschuppen 2 mit insgesamt 18 Ständen gebaut. Zwischen 1917 und 1921 folgte dann Lokschuppen 3 mit 12 Ständen und der folglich dritten Drehscheibe. Die Drehscheibe ermöglicht nicht nur die Zufahrt zu den einzelnen Ständen, sondern auch das Wenden der Lokomotiven (Rückwärtsfahrten war für Dampfloks in der Regel nur mit der Höchstgeschwindigkeit 50 km/h erlaubt). Mithin vergrößerten sich die Bekohlungsanlagen (Hochbunkeranlage) und ab 1965 wurde eine Öltankstelle für die ölgefeuerten Dampfloks errichtet. Die Belegschaft umfasste zu DDR-Zeiten bis zu 2000 Mitarbeiter und auszubildende Lehrlinge.

    Speiseraum Anbau Lokschuppen 3

    Mit der politischen und damit auch wirtschaftlichen Wende 1989 veränderte sich das Wesen und die Betriebsamkeit im Bw grundsätzlich. Der Eisenbahnverkehr mit seinen Transportaufgaben verlor sehr schnell an Bedeutung und somit auch an Umfang. Ab 1994 wurde der Lokschuppen 1 nur noch als Abstellraum für Schadlokomotiven benutzt. Mit der Übernahme der Eisenbahn-Anlagen, -maschinen und des gesamten Personalstammes durch die DB AG war die tiefgreifende Umstrukturierung und Anpassung an die neu definierten Bedürfnisse und das ökonomische Diktat unumgänglich. In der Konsequenz aller diesbezüglichen Entscheidungen wurde das Bw Stralsund im Jahr 2001 endgültig geschlossen. Seit der vollzogenen Stilllegung liegen die Flächen, Anlagen und Immobilien brach. Natürliche, wie anthropogen-destruktive Einflüsse ließen die Bausubstanz in den folgenden Jahren merklich erodieren. Mit dem drastischen Wandel der äußerlichen Gestalt wird die unschätzbare Bedeutung des Bw Stralsund für die Stadt- und für die Verkehrsentwicklung und -geschichte im Norden bis heute zunehmend verschleiert, unkenntlich gemacht und damit nicht mehr ausreichend gewürdigt oder wenigstens in angemessener Form an sie erinnert.

    ehemaliges Stellwerk

    (Erst) Im Jahr 2021 gelang es der Stadt Stralsund in Form der Liegenschafts- und Entwicklungsgesellschaft (LEG) das Areal von der DB AG, die von Anbeginn weder an dem Erhalt der Anlagen, noch an der Historie Interesse zeigte, zu übernehmen.

    Die verwendeten Backsteine wurden überwiegend in der bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts in Devin ansässigen Ziegelei Otto Hossfeld gefertigt und waren somit in ausreichender Anzahl verfügbar. Die Ziegelsteine sind in vielen Gebäuden in und um Stralsund verbaut und markieren daher einen wichtigen Anteil der baulichen Entwicklung der Stadt im Industrie-, Wohnungs- und Zweckbau.

    Otto Hossfeld Ziegel aus Devin bei Stralsund

    Der Vorteil der Ziegelsteine liegt in seinen hervorragenden Eigenschaften begründet: sie sind hart, druckfest und langlebig. Selbst tragende Außenwände und Pfeiler wurden aus Ziegeln in Massivbauweise angelegt. Unter Normalbedingungen können sie Wärme speichern und langsam abgeben. Durch ihre Diffusionsoffenheit kann auch Feuchtigkeit aufgenommen und abgegeben und so das Raumklima günstig beeinflusst werden. Sie sind überdies nicht brennbar und besitzen einen hohen Feuerwiderstand, was bedeutet, dass im Falle eines Brandes inner- oder außerhalb eines Bauwerkes, die Tragfähigkeit auch bei hohen Temperaturen lange erhalten bleibt.

    Die Lokschuppen 1 und 2 sind als Funktionsbauten im Stil der damals zeitgenössischen Industriearchitektur errichtet worden und hatten primär funktionellen Ansprüchen zu genügen, sprich dem Ab- und Unterstellen von Lokomotiven, sowie deren Pflege, Restauration und Reparatur. Die Lokschuppen sind als sog. Ringlokschuppen angelegt, d. h. die einzelnen Stände, also Lokomotiv-Stellplätze in der Lokhalle, sind radial nebeneinander angeordnet und können durch die vor den Einfahrten gelegene Drehscheibe zugänglich gemacht werden. Eine Vielzahl von Lokomotiven und Maschinen können so untergestellt und betreut werden. Durch den ringförmigen Bau ist eine maximale Ausnutzung des vorhandenen Raumes möglich. Die Dachkonstruktionen bestehen aus Stahl und Holzbindern in Form von Dreiecksverbänden mit großen Spannweiten, die eine große Lokhalle darunter überspannen, um ausreichend Platz für die großen Lokomotiven und den daran zu tätigen Arbeiten zu bieten, ohne dass allzu viele Zwischenträger den Raum einengen. Die hohen Innenräume mit der sichtbaren Dachkonstruktion werden durch das, durch die Bogen- und Torfenster einfallende, natürliche Tageslicht erhellt und durch Deckenleuchten ergänzt. Dies verleiht dem weit ausladenden und hohen Innenraum der Lokschuppen damit eine fast gewissermaßen monumentale und atmosphärische Wirkung. Auch wenn die Funktionalität das Primat bei der Errichtung der Lokschuppen hatte („Form folgt Funktion“), waren trotz dessen einige sehenswerte, gestalterische Elemente verbaut worden. Die Eisentore an den Einfahrten der einzelnen Stände sind mit jeweiligen Fenstereinlassungen versehen. Die seriellen Rundbogenfenster oder die sehr großen Rechteckfenster auf der Lokschuppen-Rückseite sorgten für Lichteinlass in die Lokschuppen und formten damit gleichzeitig ein ästhetisch durchaus ansprechendes Gebäude im Stil der Industriearchitektur aus, trotz aller Sachlichkeit, Massivität und der klaren Proportionen. Rollschichten und Gesimse sorgen für Auflockerung und Abwechslung an den sonst großflächigen Außenfassaden.

    Zurück zur Gegenwart: Die Dachkonstruktionen der Lokschuppen 1 und 2 sind infolge des ungehinderten Angriffes sämtlicher Wettereinflüsse marode, schadhaft und stellenweise eingestürzt. Damit liegt auch deren Mauerwerk nunmehr vielerorts im Einfluss von Wind, Wetter und damit zwangsläufig von Feuchtigkeit. Der Verfall und das Nachlassen der Stabilität bis zur Einsturzgefahr wird dadurch beschleunigt. Die bereits vor Jahren vollzogene Aufnahme der Gebäude in die Liste der Baudenkmäler bzw. des Denkmalschutzes ist allenfalls eine moralische Beistandsbekundung. Effektiver wären aktive Schutz- und Sicherungsmaßnahmen, um sämtliche der die Erosion unterhaltenden Schadfaktoren von der noch verbliebenen Bauwerksubstanz fernzuhalten, um eine Restauration und damit den Erhalt der Gebäude und damit wichtiger Zeitzeugen der Stadt- und Verkehrsgeschichte der Stadt Stralsund zu gewährleisten. Diese Maßnahmen sind aber sehr kostenintensiv, die Bereitstellung der finanziellen Mittel entsprechend schwierig. Eine Neunutzung der Lokschuppen wäre aber nur so realistisch und möglich. Ideen dafür gibt es bereits viele. Der Förderverein Lokschuppen e. V. Stralsund (FLokS e. V., www.floks-mv.de) ist seit Jahren bestrebt, Ideengeber und Akteure dafür zu finden. Architektur-Studenten der Hochschule Wismar sowie der Hochschule Konstanz haben daraufhin Projektarbeiten angefertigt, in denen Nutzungskonzepte z. B. mit Grünanlagen, Cafés, Skaterparks, Spielplätzen, Sportanlagen, Ruheräumen, Ausstellungsflächen, Konferenzräumen u. v. m. erarbeitet wurden. Der Verein steht zudem in Verbindung mit der Stadt Stralsund und der LEG. Letztere waren und sind wichtige Partner, um das Ziel – die Erhaltung und Neunutzung der Lokschuppen – doch noch realisieren zu können. Die FLokS-Vereinsmitglieder selbst möchten gern einen Teil des Geländes oder eines Lokschuppens als Ausstellungs- und Museumsfläche nutzen, um die Erinnerung an die wertvolle Eisenbahngeschichte der Stadt Stralsund mit Exponaten wach zu halten und erlebbar zu machen.

    Thilo Wagner in G&T #94
    Fotos: A.Meyen, H.Werner, T.Wagner, FLOKS e. V.