Mönchstr. 49

Das Haus wurde im letzten Herbst vom Bürgerkomitee mit dem Koggensiegel ausgezeichnet. Angetan hatte es uns in besonderem Maße die Fassade, die als einziges Haus in der Altstadt Jugendstilmalereien enthält. Sie sind vom Architekturbüro Hildebrand Kottke sehr sorgfältig restauriert worden. Deutlich sichtbar sind die Muster auf dem Großteil der Fassade, weniger deutlich sichtbar sind ohne Fernstecher die bemerkenswerten Fratzen oder Masken, die sich unmittelbar unter der Dachtraufe befinden. Frau Kottke hat uns dankenswerterweise Abbildungen zur Verfügung gestellt.

Fratzen an der Fassade Mönchstr. 49

Das Haus ist mindestens 300 Jahre alt; in der schwedischen Gebäudeaufnahme von 1706 wird es bereits erwähnt. Ende des 19. Jh. wurde es von dem damaligen Eigentümer dem Tischlermeister Hugo Graap, zu einem Traufenhaus mit der gründerzeitlich geprägten Fassade umgebaut. Er ließ wahrscheinlich auch Anfang des 20. Jh. die Jugendstilmalereien anbringen. Was ihn dazu bewog, die für den Betrachter auf der Straße kaum i sichtbaren Masken anbringen zu lassen, lässt sich nicht mehr feststellen. Die Gestaltung besteht aus ornamentalen und figürlichen Bemalungen auf den geputzten Wandflächen. Bemerkenswert ist, dass sich kein Element wiederholt, hier wurde vom Künstler sehr individuell ein eigenständiges Programm entwickelt. Durch mangelnde Pflege ging im Laufe der Zeit ein Teil der Bemalung und des Putzuntergrundes verloren, so dass die Bemalung sich nicht mehr als geschlossenes Bild darstellen kann. Das Restaurierungskonzept sah vor, alle erhaltenen Flächen zu sichern und im Bestand zu konservieren. Alle zerstörten Flächen wurden als unwiederbringlich verloren angesehen, eine Rekonstruktion sollte hier nicht erfolgen.

Petra Kottke/Rupert Eilsberger in G&T #28

Mönchstr. 11

  • gelegen im St. Georgen Quartier
  • im 13. Jahrhundert bei der Altstadterrichtung vermutlich 2 Giebelhäuser
  • erstes nachweisbares Zeugnis der Bebauung aus schwedischer Stadtaufnahme (1706/07), dort als Mönschstraße 58 & 59 aufgeführt (Bewohner Ernst Richter – Kaufmann, Brauer, Mälzer)
  • 25.11.1772 verkauft an Johann Thoedor von Essen
  • 25.08.1785 verkauft an Otto Heinrich von Thun – dieser soll das Haupthaus neu errichtet haben – Maueranker Hofseite
  • 1789 (Fertigstellung „Neubau“)
  • Ähnlichkeit mit Barockhaus Mönchstraße 23 (Kühlschen Haus, Daniel Joachim Kühl war Gründer der Amidommacherei (Kleidermacher) in Stralsund (Stärke). Unternehmen entstand 1729 nach Lübecker & Rostocker Vorbild ältestes und langlebigstes Unternehmen während der Schwedenzeit Stralsunds.
  • Unterschied: Dach keine hölzernen Likarnen mehr vorhanden.
  • Bei Mönchstraße 11 sind schon klassizistische Elemente vorhanden; risalitartig ausgebildete Vorsprünge; über den Resaliten befanden sich Vasen
nördliche Tordurchfahrt 1999 (z.T. zugemauert)
  • Kemladen Maueranker 1641 entweder neu + alte Anker oder stehen geblieben
  • Vererbt an Carl Ludwig von Thun nach dessen Tod an Wilherlm Ulrich von Thun auf Schlemmin
  • Dann an Gräfin Elise zu Stollberg Wernigerode (geb. von Thun auf Schlemmin) Gräfin Eigentümerin bis 1920 (nie dort gewohnt-immer vermietet)
  • 01.01.1869 benannt in Mönchstraße 11
  • 1920 verkauft an Pommersche Landbund, Kreisgruppe Franzburg
  • November 1921 Antrag auf Umbau des Gebäudes, Abbruch Hintergebäube
  • Januar 1922 immer noch keine Baugenehmigung – Landbund sitzt noch im Artushof (Alter Markt) Genehmigungsprobleme u.a.: Lage Heizungskeller, Hofansichten unzureichend, Öffnungen vor Umbau wesentlich größer und mehr
  • 1941 Baumaßnahme im KG: Osttonne Einbau Zwischenwände & Schleuse Eigentümer Landesbauernschaft Pommern
  • nach dem Krieg: staatliches Eigentum Eigentum des Volkes“ Rechtsträger: Kommunale Wohungsverwaltung KWV
  • 1954 Programm z. Umbau fertiggestellt, z.Z. Büroräume d. Rates d. Stadt, Umbau zu Wohnungen; alle Räume erhalten Kachelöfen; Küchen erhalten kombinierte Gas- und Kohleherde, Aussenputz ausbessern;
  • 1955 Abschluß der Arbeiten: Erste Mieterin bis in die 90er Jahre Familie Schuller
  • Waschhaus als Abstellraum; Pianohaus & Elektrofrima Sitte)
südliche Tordurchfahrt 1999

Umbau & Sanierung

Mittelstands- und Existenzgründerzentrum: Wohnen und Arbeiten unter einem Dach; Existenzgründer: „nur“ arbeiten kaum Wohnen…

Unterstützt vom Mittelstandsinstitut Niedersachsen; Gespräche mit Schwerin zur Mietpreisunterstützung für mittelständische Existenzgründer

Erhalt des Tischlereibetriebes / Schaffung von eigenem Auftrag

Einrichtung Denkmalbau GmbH – Schaffung von zwei neuen Arbeitsplätzen für die Dauer der Bauarbeiten

Herbst 2000 Beginn Umbau & Sanierung. Erst Haupthaus dann Kemladen, Piano- & Waschhaus

Dauer von Erwerb bis Baubeginn u.a. 2 Jahre wegen Städtebaufördermitteln (zeitgleich Wasserstraße 80 gekauft) keine Städtebaufördermittel erhalten, Bürgerhausprogramm DSD 50.000 DM Förderung Straßenfassade

Zustand 2003 nach Sanierung

Sommer 2003 Fertigstellung

Keller für Gastronomie vorgerichtet (Leitungen in Ixel; ca. 100.000 DM)

  1. OG Beletage Rückbau in Urzustand (bei Baubeginn = 3 Wohnungen)

DG 2 Wohnungen (eine mit Loggia)

  1. OG 2 Wohnungen (eine mit Dachterrasse auf Kemladen)

Waschhaus als Einfamilienhaus“

Pianohaus: Wohnen auf 3 Ebenen + Dachterrasse auf Kemladen / EG = Büro

Durchfahrt mit Werbekästen für Hausbewohner

Überall Dielenböden; eigene Ernte“ (Hamer) ausgesucht, gegattert, getrocknet (Kauf der Kammer am Bodensee), genutet, gefedert und eingebaut

Treppenhaus: Wandmalerei durch Restaurator Bär und Unterstützung BIRAS freigelegt und wieder aufgearbeitet

Treppe ins 2. OG neu exakt nach Vorbild untere Treppen mit Schlitzen im Brüstungsfüllung (Licht von Dachflächenfenstern)

Kleine neue Treppe in Dachboden; dort trockene Kellerersatzräume (Abstell) für Mieter

Wohnhof frei von PKW’s

5.589,89 m³ umbauten Raum

Wohn- & Nutzfläche 1.200 m²

Kosten pro m² Wohnfläche ca. 770 €/qm

Baukosten gesamt ca. 925.000,00 €

insgesamt 13 Einheiten

Aspekte einer denkmalgerechten Sanierung kombiniert mit aktuellen Wohn-und Nutzungsvorstellungen der Bauherren bzw. „unserer heutigen Zeit“

Aegidius van Ackeren (2005)