Das Kloster Mariakron

Wohl jeder kennt die beiden großen Klöster in Stralsund, das ehemalige Franziskanerkloster St. Johannis in der Schillstraße und das Dominikanerkloster St. Katharinen in der Mönchstraße. Weniger bekannt ist das ehemalige Brigittinenkloster Mariakron. Es befand sich außerhalb der Stadtmauern am nördlichen Ende des Jungfernstiegs, zwischen der heutigen Mariakronstraße, der Ketelhotstraße und dem Carl-Heydemann-Ring. Historisch belegt ist der Name Jungfernstieg, dieser erscheint schon 1427 als „Jungfrauenstieg“ – der Weg, der zum Kloster führt.

In dem genannten Bereich befand sich seit 1350 ein Kirchhof und die Maria-Magdalenen-Kapelle, welche später abgerissen wurde, da sie sich als zu klein für das 1421 gegründete Kloster erwies. Das Kloster geht zurück auf die heilige Brigitta von Schweden, die 1346 das Urkloster der Brigittinen Vadstena am Vätternsee errichtete. Die Stadt Stralsund stellte den Bauplatz am Moorteich zur Verfügung. Von den Bürgern wurde das Kloster durch etliche Stiftungen und Sachspenden unterstützt. Für eine neue Kirche wurde 1446 der Grundstein gelegt und das Ereignis mit großem Prunk gefeiert.

Mariakron war ein Doppelkloster. In einem Teil lebten die Nonnen, in einem anderen die Mönche. Die Wohnbereiche waren durch eine Mauer getrennt. Es gab eine gemeinsame Küche. Gekocht wurde von den männlichen Bewohnern und durch eine „Rolle“, heute würde man es wohl Durchreiche nennen, wurde das Essen zum weiblichen Teil der Bewohner gebracht.

Nördlich der Kirche lag der Doppelbau des Klostergebäudes, südlich befand sich, streng getrennt der Hof der Mönche und Priester. Zum Kloster gehörte auch ein umfangreicher Friedhof für Arme und Hingerichtete, der sich bis zur heutigen Friedrich-List-Straße erstreckte, der noch 1733 im Festungsplan der Stadt Stralsund erwähnt wurde. Hier fand z. B. die bekannte Kindesmörderin Maria Flint ihre letzte Ruhe.

Wie hat man sich kleidungsmäßig die damaligen Klosterbewohner vorzustellen? Die Nonnen waren mit grauem Rock und Mantel bekleidet, trugen auf dem Kopf eine Krone aus weißen Leinenstreifen und einen schwarzen Schleier. Rote Flecken sollten die Wundmale von Jesus Christus darstellen. Auch die Brüder trugen graue Röcke und Mäntel mit roten Kreuzen für die Priester.

Zur Zeit der Reformation 1525 brach über das Kloster das Unheil herein. Die aufgebrachten Volksmassen die schon St. Nicolai und St. Johannis verwüsten hatten, machten auch vor Mariakron nicht halt.

In ihrer Zerstörungswut zertrümmerten sie Bildwerke, verwüsteten die Unterkünfte, die Hallen und verbrannten Altäre. Die Mönche wurden aus der Stadt verwiesen, die Nonnen wurden umgesiedelt und fanden lebenslange Unterkunft im Katharinenkloster.

Danach wurde das Mariakronkloster abgetragen und die Klosterformatsteine für andere Zwecke, unter anderem für den Festungsbau, verwendet. Nach der Reformation wurden die beiden Klöster St. Annen- und St. Brigitten (Mariakron) zusammengelegt. Auch dieses Gebäude gibt es noch in der Schillstraße, dem heutigen Ordnungsamt.

Es gab leider keine vollständige bildliche und zeichnerische Darstellung vom Kloster. Lediglich ein Teildarstellung hat sich im Stralsund Museum erhalten.

Teildarstellung Kloster Mariakron (Stralsund Museum – Digitalbearbeitung: H.W.)

Umso interessanter war die Tatsache, dass man 1931 beim Bau der Ketelhotstraße Fundamente des einstigen Klosters fand.

1956 wurden bei archäologischen Ausgrabungen Reste der ehemaligen Kapelle, ein Klostersiegel und weitere Artefakte entdeckt. Rätselhaft bleibt, woher die Knochen der kleinen Kinder stammen, die dort gefunden wurden.

Ingrid Wähler in G&T#94