Mönchstr. 8

Der mittelalterliche Stadtplan zeigt in Höhe der heutigen Mönchstr. 8 die seinerzeit noch als Die-Münche-Strasse Hausstelle 55 im St. Georgen Viertel, gezählt wurde, stattliche Giebelhäuser. Ein paar Jahre später dokumentieren die schwedischen Landvermesser am gleichen Ort eine wüste Stelle.

Dieser Platz oder Wüste ist der Erden gleich, sind keine Mauern oder Kellern draud, die vorn nach der Straßen stehen, die HaußThür und Fenster Mauer sind mit Brettern bekleydet, darauf ist ein Brau Haß gestanden, und sind die rudera des Dare Ofens in der BrandMauer zu sehen.

Es mag bis zur ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gedauert haben, bis Andreas Brink das Gebäude auf den mittelalterlichen Grundmauern neu als dreigeschossiges traufständisches Haus errichtete. Im barocken Stil gehalten, wurde jedoch die im Mittelalter typische Dielenform unter Verwendung der bestehenden Bausubstanz aufgegriffen. Mehrfach wechselten die Besitzer und deren Vorlieben, Ab dem frühen 19. Jahrhundert war das Stralsunder Baugeschäft Dehmlow & Möllhusen in diesem Gebäude tätig, das später vom Baugeschäft Augustin Hotze übernommen wurden. In dieser Zeit waren auch einige Nachbargrundstücke (wie die später im 2. Weltkrieg zerstörte Nr. 7) Teil der Firmengruppe, sodass ein großer Bauhof mit Kontor, Lagerflächen und Wohnungen entstand.

Grundstückszuschnitte/Kataster um 1700
heutige Zuschnitte der Grundstücke

Das Baugeschäft Augustin Hotze & Söhne war hier noch bis 1972 ansässig und die Familie Hotze verließ nach DDR Repressalien und Enteignungen die Stadt gen Westen. Erst Anfang der neunziger Jahre gelang die Rückübertragung der massiv vernachlässigten Gebäudereste an die Alteigentümer, freilich in ziemlich desolatem Zustand.

Die anstehenden Sanierungsarbeiten förderten erstaunliches zu Tage. Unter einer einfachen Holzverschalung kamen in der Diele im Wand- und Deckenbereich große barocke Akanthusmalereien zum Vorschein. Diese waren farbig gehalten und in einem erstaunlich guten Zustand. Wie in solchen Fällen üblich, mussten diese unterste Farbschicht gesichert, darüberliegende Anstriche vorsichtig entfernt werden um so das Gesamtbild aus der Barockzeit Mitte des 18. Jahrhunderts wieder sichtbar werden zu lassen.

Aber natürlich haben auch spätere Zeiten Spuren hinterlassen. Liebevoll wurden Sichtfenster mit diversen Anstrichen aus verschiedenen Epochen rekonstruiert. Auch Tapetenschichten konnten voneinander getrennt und so in ihren zeitlichen Kontext gestellt werden.

Eine Besonderheit stellen auch die in mittelalterlichen Bögen eingebauten hölzernen Wandschränke dar. Diese wurden gerieten offenbar in späteren Jahren in Vergessenheit. Werkzeuge, Schusterutensilien, eingewecktes Obst zeugen von der Nutzung durch frühere Bewohner.

Wandschränke mit Inventar

Heute steht die Diele dank der generösen Unterstützung der Familie Hotze für die Öffentlichkeit zur Verfügung. Hier hat sich mit der Kulturdiele M8 ein kleiner aber feiner Ort etabliert, an dem Theateraufführungen, Lesungen und Konzerte stattfinden. Aber auch für private Feiern kann der Raum mit dem historischen Ambiente gemietet werden. 2026 hat das Haus ein Koggensiegel bekommen.

Ippenschuppen

Hermann Otto Ippen gründete im Jahre 1922 die Ippen-Linie Reederei Stettin. Mit seinen Schiffen stellte er eine regelmäßige Verbindung zwischen Stettin und den Städten Stralsund, Rostock und Wismar, später auch Kiel, her. Obwohl es die Reederei schon seit geraumer Zeit nicht mehr gibt, wird die Anlegestelle in Stralsund bis heute IppenKai genannt. Am 3. November 1922 ging bei der Baupolizei der Stadtverwaltung Stralsund folgendes Gesuch ein:

„1. November 1922.
In der Anlage überreiche ich der Polizei-Direktion ergebenst in doppelter Ausfertigung Zeichnung
sowie einen Kostenüberschlag zum Neubau eines Lagerschuppens im Wellblechschuppen am Hafen mit der Bitte um gefl. Erteilung der Bauerlaubnis.
Ergebenst für Hermann Otto Ippen – Stettin – als Bauherr.“

Das Gesuch selbst stellte die bekannte Stralsunder Baufirma Teichen. Der sogenannte Wellblechschuppen, der eigentlich nur ein Schutzdach war, das auf einem Stahlskeletttragwerk ruhte, stand zumindest schon. Jetzt erfolgte unter dem östlichen Bereich des Schutzdaches der Einbau eines geschlossenen Lagerschuppens mit Schiebetoren. Schon am 11. Dezember 1922 konnte Theodor Teichen die Fertigstellung des Baues „unter dem Wellblechschuppen am Nassen Dreieck“ der
Polizeidirektion melden. Am 5. Juli 1935 stellte Max Wilhelm, Inhaber einer Großhandlung für Baustoffe, bei der Hafeninspektion den Antrag, „einen Teil des offenen Schuppens am Ippenkai zur Lagerung von Zement und Kalk“ zu überlassen.

„Es wäre mir“, so Wilhelm weiter, „sehr erwünscht, wenn ich von der offenen Halle den der Seestraße zugekehrten Teil erhalten könnte, welche ich auf meine Kosten allseitig ummauern würde.“

Der Stralsunder Schiffsmakler Max Hintze hatte als Vertreter der Ippen-Linie nichts dagegen einzuwenden. Nur knüpfte er seine
Zusage an die Bedingung, „daß bei Eintreffen eines Tourendampfers der Ippen-Linie“ die dort mit Baustoffen löschenden Schiffe wegzuholen sind. Das Blechdach erhielt nunmehr eine 12 cm starke Umfassungswand aus Ziegelstein. Ebenso bekam damals der sich auf der anderen Seite befindliche Lagerschuppenbereich von 1922 eine Umfassungsmauer. 1957 übernahm der im gleichen Jahr gegründete VEB Fahrgastschiff „Weiße Flotte“ den IppenSchuppen. Der Betrieb ließ ein Jahr später Fenster einbauen. 1959 erfolgte dann ein umfassender Umbau des Lagerschuppens zu Aufenthaltsräumen und einer Gaststätte.

Im Jahre 1985 begann eine umfassende Rekonstruktion des Gebäudes. Im Erläuterungsbericht zum Bauvorhaben konnte man folgende Zeilen lesen: „Der Ippenschuppen auf dem Ippenkai ist ursprünglich als überdachte Lagerhalle ohne Außenwände gebaut worden. Dazu waren die vorgefertigten Stahlskeletttragwerke auf Stützen (2 U Profile) gestellt worden. Ansonsten besitzt das Bauwerk keine weiteren Gründungen. Im Laufe der Zeit wurden aber dort Waren gelagert, die zur Sicherung nach außen hin abgeschlossen wurden. So wurden Außenwände aus 24iger Mauerwerk gestellt (in der Südwand nur 12er Mauerwerk) und Innenwände aus 12er Mauerwerk gezogen. Dieser Zustand besteht seit mehreren Jahren, ohne
daß sich durch den zusätzlichen statischen Druck Veränderungen am Bollwerk ergeben haben. Jetzt sollen weitere Funktionen im Ippenschuppen untergebracht werden. Im südlichen Teil kommt ein Jugendklub mit Ausschank hinzu. Ebenso soll die Beheizung des gesamten Gebäudes durch einen zentralen Heizkessel erfolgen, für den auch ein extra Schornstein gebaut werden soll.“ Alle neuen Zwischenwände wurden damals mit Gasbetonsteinen errichtet. Die Südwand sowie der südliche Teil der Westwand erhielten eine Verstärkung durch 120 mm dicke Gasbetonsteine.
Der Außenanstrich basierte auf der „traditionellen Farbgebung Blau“, Tore und Türen erhielten einen weißen Anstrich. Im Jahre 1997 zog in den Ippen-Schuppen, der nach wie vor der „Weißen-Flotte“ gehört, ein italienisches Restaurant ein.

Text: A. Neumerkel

Tribseer Str. 12

Die „Ernst-Moritz-Arndt-Schule“ wurde in den Jahren 1867 bis 1869 unter dem Einfluß des damaligen Stadtbaumeisters Ernst von Haselberg als Knabenschule erbaut. Das repräsentative Backsteingebäude, es handelt sich hierbei um ein eingetragenes Denkmal, welches dem Historizismus zuzuordnen ist. Es befindet sich am Kreuzungsbereich der Hauptfußgängerverbindung zwischen Neuem und Altem Markt.
Bis zum 2. Weltkrieg erfolgte die Nutzung als Töchter-, Mädchenmittel- und Mädchenvolksschule. Nach Beendigung des Krieges wurde am 1 .Oktober 1945 der Schulbetrieb wieder aufgenommen.
Im Jahre 1968, damals beherbergte das Haus eine zehnklassige polytechnische Oberschule, wurde erstmals im Dachgeschoß Befall durch den Echten Hausschwamm festgestellt.

Trotz der Anfang der siebziger Jahre offenkundigen Schäden an der Dachhaut kam es bis 1990 zu keiner entsprechenden Reparatur.
Im Juli undAugust 1991 wurden Sofort- und Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. Die Finanzierung dieser Arbeiten erfolgte durch die Stadterneuerungsgesellschaft Stralsund (SES) im Rahmen des ”Modellvorhaben der Stadterneuerung“. Für ca. 100.000 DM wurden Klempnerreparaturen, die Schwammsanierung sowie erste Freilegungen zur Planung der späteren Sanierung ausgeführt.
Am 15.08.1991 kam es aufgrund des bei den Freilegungen im südlichen Gebäudeteil zutage getretenen akuten Hausschwammbefalls, zur Nutzungssperre durch das Bauordnungsamt der Hansestadt Stralsund.
Die 90 Hauptschüler der 5. bis 9. Klassen wurden mit Beginn des neuen Schuljahres in die Lambert-Steinwich-Schule in der Knieper-Vorstadt umquartiert. Ihr Werkunterricht fand in der Tribseer Straße, ihr Technikunterricht im Frankenhof und im Bielkenhagen bzw. in der Jahn-Sportstätte statt.
Bildungssenatorin Könemann versprach damals, daß die Arbeiten innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein würden. Am 10. September 1991 .erarbeitete das Stralsunder Amt für Denkmalpflege eine erste denkmaipflegerische Zielstellung.
Durch das Hochbauamt der Stadt wurde Ende 1991 der Auftrag für die Planungsleistungen zur Rekonstruktion der Ernst-Moritz-Arndt-(EMA)Schule erteilt.
Im Februar 1992 stellte das Schulverwaltungsamt beim Kämmerei- und Steueramt den Antrag in Höhe von 1,2 Mio. DM für die Sanierung der EMA-Schule.
Im selben Monat erfolgte die Vorlage der Vorplanung beim Schulverwaltungsamt, die im Juli bestätigt wurde.
Ebenfalls im Juli 1992 stehen laut Aussage des Schulverwaltungsamtes die beantragten Finanzmittel bereit. Da es auch eine bestätigte Verpflichtungsermächtigung für 1993 gibt, wird ein frühestmöglicher Sanierungsbeginn erbeten.
Ein zweiter Abschnitt von Freilegungs – und Sicherungsmaßnahmen zur Vorbereitung der weiteren Planung erfolgte im Mai 1992 für ca. 20.000 DM. Der Bauantrag zur Sanierung und Rekonstruktion der EMA Schule liegt dem Hochbauamt im November 1992 vor.
Gleichzeitig steht fest, daß die 1,2 Mio. DM Haushaltsmittel für 1 992 nicht mehr vorhanden sind. Auch im 93er Haushalt gibt es keine Mittel für die EMA-Schule, wie im April 1993 bekannt wird. Als am 24.05.1993 die Bundesbauministerin Frau Schwätzer Stralsund besucht, ihr Rundgang sie auch zur EMA-Schule. Da auch sie finanziell nicht helfen kann, verweist sie an das Innenministerium des Landes. Jedoch Trost mit dem Satz: ”Eine nationate Bedeutung sehe ich auf jeden Fall.“
Als im August 1993 Bundesministerin Merkel die Schüler der EMA-Schule besucht, verspricht sie, sich bei der Landesregierung und Denkmalpflege für die ”EMA“ einzusetzen.

Protestplakat an der kleinen EMA

Am 04.08.1993 tagt erstmals die ”Arbeitsgruppe EMA-Schule“ beim Bausenator. Die SES erklärt im September 1993, daß die Schule durch sie nur im Ausnahmefall förderfähig sei. Gleichzeitig stellt das Schulverwaltungsamt einen Antrag auf Sonderzuweisung beim Kultusministerium des Landes und das Amt für Denkmalpflege stellt einen Antrag auf Gewährung einer Bundeszuwendung Denkmalpflege für das Gebäude der ”Ernst-Moritz-Arndt-Schule“.

Auf einer Beratung beim Bausenator im Dezember 1993 kommt es zu der Feststellung, daß auch im 94’er Haushalt keine Mittel für die Sanierung der EMA-Schule vorgesehen sind. Die folgenden zwei Lösungsvarianten werden zur Diskussion gestellt:

  • Das Angebot einer süddeutschen Bauträgergesellschaft, dieSchule zu kaufen, zu sanieren, der Stadt für etwa 500.000 DM/Jahr zu verpachten und ihr nach ca. 25 Jahren die Schule wieder zu verkaufen.
  • Unter Einbeziehung der Liegenschaftsentwicklungsgesellschaft für einen Schulneubau in der Innenstadt bzw. Innenstadtnähe einen Ausweichstandort zu suchen.

Die Bürgerschaftsvorlage 221/93 enthält ein verbales Bekenntnis zur Rekonstruktion der „Ernst Moritz-Arndt-Schule“. Um die aufwendige Rekonstruktion zu sparen, beinhaltet sie alternativ den Vorschlag, die Schule zu schließen.
07.04.1994: Die Bürgerschaft der Stadt beschließt die vorübergende Schließung der „Ernst-Moritz-Arndt-Schule“ bis zur baulichen Wiederherstellung. 1994: 125-jähriges Bestehen der Schule 225. Geburtstag Ernst-Moritz-Arndts

Wir möchten wieder Kinder in dieser Schule haben!

Aus G&T #3 Jan. 1995