Mönchstr. 50

1999 erhielt das Gebäude in der Mönchstr. 50 mit seiner markanten Neorenaissance Fassade vom Bürgerkomitee ein Koggensiegel. Es handelt sich um ein traufenständiges Gebäude, das Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde.
Im Zuge der ersten Stadterweiterung ca. 1250 – ist das St. Marien-Quartier (oder auch die Neustadt genannt) entstanden und bebaut worden. Über einen eventuellen Vorgängerbau lassen sich keine genauen Aussagen machen.

Erst aufgrund der schwedischen Stadtaufnahme von 1707 und 1708 ist es möglich, sich auf dem Grundstück Mönchstraße 50 ein Haus in seiner räumlichen Aufteilung vorzustellen. Man kann dort lesen:

Das Gebäude No. 189 ist Hans Herts Witwe Haus, im Marien Quartier und nach Osten auf der Haakestraße gelegen, zwischen Schüttens Ödstelle und Farckens Haus.
Die untere Wohnung besteht aus einer mittelmäßigen Stube zur Straße.
Die Diele geräumig. Innen zum Hofraum ist eine kleine Bebauung, darin ist ein Backofen sowie ein kleiner Stubenraum. Hinten auf dem Hofraum sind 2 Stck kleine, niedrige Ställe für 8 oder 10 Stck Pferde.
Der Hofraum bescheiden.
Die andere Wohnung besteht aus einer brauchbaren Stube zur Straße mit einer großen Kammer dabei, mit Brettern abgeschlagen. Innen zum Hofraum ist auch eine Kammer.
Im Straßenhaus ist ein Boden nur, doch der gut und wohlbehalten.
Unter dem Haus ist ein mittelmäßig großer, wohlbehaltener Keller.

Dieses versteuert wie eine Bude mit Bäckergerechtigkeit dazu und soll jetzt von einem Frei – Bäcker bewohnt werden, doch jetzt nicht dazu kom-min steht ohne dies fruchtlos ohne einige Nahrungshantierung, allein die Stube in der anderen Wohnung bewohnt von einem Unteroffizier für 4 Rdl. halbjährlich Miete.

Die ältesten Bauteile dürften die Umfassungswände des Kellergeschosses sein. Die nördliche und südliche Brandwand bestehen aus Nischen und Pfeilern, die sich in der Bauart voneinander unterscheiden. Der Mauerverband besteht je Schicht aus drei Läufern und einem Binder. Das Klosterformat der manuell geformten Ziegel und die Fugenausbildung mit Keil weisen auf mittelalterliches Mauerwerk hin.

Das Gebäude wurde in den Jahren seines Bestehens mehrfach umgebaut, welches sich nur an Hand des Käuferverzeichnisses, nicht durch Pläne belegen läßt.

Im Jahre 1942 wurde im Erdgeschoß des Haupthauses eine umfangreiche Schwammsanierung durchgeführt. Eigentümer war zu diesem Zeitpunkt die Familie Pfeiffer. Es wurden großflächig Lagerhölzer und Dielung über dem Kellergewölbe ausgetauscht. Die Holzbalkendecke des 1.Obergeschosses mußte im Jahr darauf wegen Schwammbefall ausgebaut und erneuert werden. Seit 1955 wurde das Gebäude durch die heutige Stralsunder Wohnungs-bau Gesellschaft verwaltet und betreut. Im Jahre 1967 war ein großer Umbau des Hauses geplant, der jedoch nicht umgesetzt wurde. In den letzten 30 Jahre wurden an dem Haus nur mangelhafte und notdürftige Reparaturen und Instandsetzungen durchgeführt. Die Instandhaltung der Dachdeckungen des Haupthauses und des Seitenflügels wurden völlig vernachlässigt, was zu Durchfeuchtungen der Geschoßdecken führte und schwere Schäden verursachte. 1996 erwarben die Brüder Prof. Dr. Heinrich Bartels und Dr. Dieter Bartels das Gebäude. Das Gebäude war inzwischen in einem bedauernswerten Zustand. Der echte Hausschwamm hatte sich überall ausgebreitet:

Für die Sanierung dieses Gebäudes wurde das renomierte Architekturbüro Deeke (Lübeck/Stralsund) engagiert. Es wurden Baukosten von knapp 3 Mio DM kalkuliert. Davon sollten ca 500.000 DM als Fördermittel fließen – das Haus war aufgrund seiner exponierten Lage, der unbedingt erhaltenswerten Neorenaissance Fassade und der ruinösen Bausubstanz auf eine A-Liste von zu fördernden Objekten gesetzt worden. In einem ausserordentlich knappen Beschluss der Bürgerschaft der Hansestadt Stralsund rutschte es jedoch auf die B-Liste der „Ersatzfördermaßnahmen“, obwohl es zuvor von zahlreichen Fachleuten und Ausschüssen der Bürgerschaft als besonders förderwürdig angesehen wurde.

Dennoch konnte die Sanierung 1999 abgeschlossen werden. Insgesamt sind nach der Sanierung 10 Wohnungen entstanden, Die Wohnfläche beträgt ca. 650m². Wunderschöne Deckenmalereien und Fenster konnten im Treppenhaus restauriert und so für die Nachwelt erhalten werden.

Mönchstr. 49

Das Haus wurde im letzten Herbst vom Bürgerkomitee mit dem Koggensiegel ausgezeichnet. Angetan hatte es uns in besonderem Maße die Fassade, die als einziges Haus in der Altstadt Jugendstilmalereien enthält. Sie sind vom Architekturbüro Hildebrand Kottke sehr sorgfältig restauriert worden. Deutlich sichtbar sind die Muster auf dem Großteil der Fassade, weniger deutlich sichtbar sind ohne Fernstecher die bemerkenswerten Fratzen oder Masken, die sich unmittelbar unter der Dachtraufe befinden. Frau Kottke hat uns dankenswerterweise Abbildungen zur Verfügung gestellt.

Fratzen an der Fassade Mönchstr. 49

Das Haus ist mindestens 300 Jahre alt; in der schwedischen Gebäudeaufnahme von 1706 wird es bereits erwähnt. Ende des 19. Jh. wurde es von dem damaligen Eigentümer dem Tischlermeister Hugo Graap, zu einem Traufenhaus mit der gründerzeitlich geprägten Fassade umgebaut. Er ließ wahrscheinlich auch Anfang des 20. Jh. die Jugendstilmalereien anbringen. Was ihn dazu bewog, die für den Betrachter auf der Straße kaum i sichtbaren Masken anbringen zu lassen, lässt sich nicht mehr feststellen. Die Gestaltung besteht aus ornamentalen und figürlichen Bemalungen auf den geputzten Wandflächen. Bemerkenswert ist, dass sich kein Element wiederholt, hier wurde vom Künstler sehr individuell ein eigenständiges Programm entwickelt. Durch mangelnde Pflege ging im Laufe der Zeit ein Teil der Bemalung und des Putzuntergrundes verloren, so dass die Bemalung sich nicht mehr als geschlossenes Bild darstellen kann. Das Restaurierungskonzept sah vor, alle erhaltenen Flächen zu sichern und im Bestand zu konservieren. Alle zerstörten Flächen wurden als unwiederbringlich verloren angesehen, eine Rekonstruktion sollte hier nicht erfolgen.

Petra Kottke/Rupert Eilsberger in G&T #28

Mönchstr. 40-41

Kloster St.Jürgen am Strande

Das Kloster St. Jürgen am Strande ist eine der ältesten und bedeutendsten sozialen Einrichtung Stralsunds. Dabei handelte es sich, anders als es der Name vermuten lässt, nicht um ein Kloster, sondern um ein Hospital und Siechenhaus. Über die Gründung dieses dem Heiligen Georg, niederdeutsch Jürgen, gewidmeten Hospitals ist nichts bekannt. Erstmals erwähnt wird es 1278 im Stralsunder Stadtbuch. Es diente der Aufnahme und Separierung von Menschen mit ansteckenden Krankheiten, insbesondere von Leprakranken. Aus diesem Grunde befand sich das Hospital auch nicht in der Stadt, sondern vor dem 1882 abgebrochenen Hospitaler Tor, einem nach dem Hospital benanntem Stadttor am Ende der Mönchstraße, jenseits des Knieperteichs und war über den nicht mehr vorhandenen Hospitaler Damm erreichbar. Ursprünglich wohl nur aus einigen kleinen Gebäuden bestehend, erfolgten später weitere Bauten. 1348 wurde durch Stiftung des Stralsunder Bürgermeisters Albert Hövener der Bau einer Kirche und des sogenannten „Langen Hauses“ ermöglicht. Östlich des Hospitals befand sich der Friedhof.

St. Georg Relief an der Fassade

Das Hospital unterstand stets der Aufsicht und Leitung des Stralsunder Rates, der aus seinen Reihen die Provisoren, in der Regel waren es zwei, ernannte. Im 17.Jahrhundert wurde das Provisorat durch zwei Administratoren aus den bürgerschaftlichen Vertretungen ergänzt.

Durch zahlreiche Spenden, Stiftungen und testamentarische Verfügungen war es möglich, dass das Hospital umfänglichen Grundbesitz erwerben konnte. Mit dem Abklingen der Lepraepidemie Ende des 14. Jahrhunderts verlor das Hospital seine ursprüngliche Funktion. Es diente nunmehr, ähnlich dem Heilgeisthospital, der Aufnahme zumeist alter, kranker und nicht mehr arbeitsfähiger Stralsunder Bürger, die gegen Zahlung eines Einkaufsgeldes lebenslang kostenloses Wohnrecht sowie sogenannte Hebungen in Form von Geld, Nahrungsmitteln und Brennholz erhielten und deren Nachlass im Gegenzug an das Hospital fiel. Nach der Reformation als das ehemalige Franziskanerkloster St. Johannis ähnliche Funktionen übernahm, bürgerte sich auch für die städtischen Hospitaler die Bezeichnung Kloster ein. Das Kloster St. Jürgen am Strande verfügte über einen umfänglichen Grundbesitz. Es besaß mehrere Güter auf Rügen wie Altkamp, Benz, Bietegast, Grahlhof sowie Groß und Klein Warksow insgesamt ca. 1.700 ha. Damit war das Kloster St.Jürgen am Strande gemeinsam mit den anderen Klöstern und Hospitälern nach der Reformation in der Lage, städtische Einrichtungen der Armenfürsorge zu finanzieren.

Bei der Restaurierung gefundene Wandpanele

Problematisch war jedoch die exponierte Lage des Klosters vor der Stadt. Dies galt insbesondere für Kriegszeiten, da eine Verteidigung der Stadt den Abbruch aller Gebäude vor den Stadtmauern erforderlich machte. Bereits 1546/47 wurden Teile der Anlage zum Ausbau der Festungswerke abgebrochen, als man eine Ausweitung des Schmalkaldischen Krieges nach Norddeutschland befürchtete. 1628, unmittelbar vor der Belagerung Stralsunds durch die kaiserlichen Truppen, wurden alle Gebäude des Klosters abgerissen. Nach dem Ende der Belagerung wurde die Hospitalanlage an seiner ursprünglichen Stelle nicht wieder errichtet.

Lediglich der St. Jürgen-Friedhof wurde bis zu seiner Verlegung an seine heutige Stelle im Jahre 1675 weiter genutzt. Die Bewohner des Klosters wurden im ehemaligen Syndikatshaus in der Hakenstraße (Teil der heutigen Mönchstraße) untergebracht. 1633 konnte sich das Provisorat des Klosters mit dem Stralsunder Rat über die Regulierung des Kaufpreises einigen. Das Gebäude, ein großes Doppelgiebelhaus, enthielt eine große, wohl als Gemeinschaftsraum genutzte Stube, 11 kleine Stuben und 12 Kammern für die Bewohner, wobei sich die Stuben von den Kammern nur dadurch unterschieden, dass sie Öfen besaßen, sowie zeitweilig 3 Wohnkeller. Des Weiteren gab es einige Küchen. Ein Teil des Hauses wurde als Kirche eingerichtet. Kleinere Hofgebäude wurden ebenfalls genutzt. Dazu gab es einen kleinen Kräutergarten. Offensichtlich reichte die Kapazität des Gebäudes nicht aus.

1743 wurde deshalb das Haus am Kniepertor, das sogenannte „Kleine Kloster“ erworben. Zudem stellten sich schwere bauliche Mängel am nun sogenannten „Großen Kloster“ heraus. Ab etwa 1750 begannen daher Planungen für einen Neubau. Zunächst war vorgesehen, das Kloster gänzlich neu an anderer Stelle zu errichten. Pläne das Beghinenhaus sowie das Baumannsche Haus in der heutigen Schillstraße (Schillstraße 29 und 30) zu erwerben und somit eine Verbindung zum „Kleinen Kloster“ zu schaffen, wurden aber schnell verworfen, da man den Erwerb von unbebauten Flächen, die es in der Stadt reichlich gab, favorisierte. So wurde eine wüste Fläche in der Langenstraße, dort, wo später das Gebäude der Colbergschen Stiftung errichtet wurde, in Betracht gezogen, jedoch war die Fläche dann doch zu klein. Dagegen wurde die Errichtung des neuen Gebäudes auf einer großen unbebauten Fläche in der Mönchstraße bis hin zur Ravensberger Straße (heute Mönchstraße 57) weit voran getrieben. Einige Flächen wurden sogar angekauft, Baupläne entwickelt. Letztlich wurde jedoch auch dieses Projekt aufgegeben. Nachdem Ende des Jahres 1753 aus Sicherheitsgründen der Doppelgiebel des Klosters abgebrochen wurde, entschied man sich schließlich dafür, das alte Gebäude gänzlich abzubrechen und den Neubau an der alten Stelle zu errichten. Zur Erweiterung des Neubaus sollte das südlich angrenzende Haus des Tischlers Kunstmann erworben und gleichfalls abgerissen werden. Im Mai 1754 billigte der Stralsunder Rat diese Beschlüsse des Provisorats. Nach dem Abbruch der Gebäude wurde nun ein neues zweigeschossiges Gebäude mit einer Kapelle auf dem Hof errichtet. Wohl wegen Konstruktionsmängeln ergaben sich in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts häufig Probleme mit dem Dach, was zahlreiche Reparaturen erforderte. 1848 wurden daher erste Überlegungen angestellt, ein drittes Geschoss zu errichten. Nachdem man dies zunächst aus Kostengründen verwarf, wurde dieser Ausbau nach Plänen des Stadtbaumeisters Johann Michael Lübke dann doch realisiert. 1852 erfolgte dann der Neubau der Hofgebäude. Bereits 1841 war durch Ankauf des Eckhauses am Apollonienmarkt das Kloster St.Jürgen am Strande erweitert worden. Dieses Gebäude diente hauptsächlich der Aufnahme von Frauen aus den gehobeneren Kreisen der Stadt. 1926 wurde die Kapelle auf dem Hof wegen Baufälligkeit abgebrochen. Die Ausstattungsstücke wurden dem damaligen Provinzialmuseum für Neuvorpommern und Rügen, dem heutigen Kulturhistorischen Museum übergeben. Die 1854 vom Orgelbaumeister Nehrlich errichtete Orgel wurde in die heutige Gerhard-Hauptmann-Schule überführt. 1949 wurde das Kloster St. Jürgen am Strande, das als milde Stiftung galt, aufgehoben, nachdem die Güter des Klosters bereits 1945 der Bodenreform unterworfen waren., Die Gebäude des Klosters sowie der verbliebene Grundbesitz wurden zunächst städtisches Eigentum, Anfang der 50er Jahre jedoch in sogenanntes Volkseigentum überführt.

Zustand 1990 (Foto: Horst Barnewitz)

Erst nach 1990 gelangten die Klostergebäude sowie Teile des ehemaligen Grundbesitzes wieder in das Eigentum der Hansestadt Stralsund. 1997 erwarb die Stralsunder Wohnungsbaugesellschaft mbH die Grundstücke Mönchstraße 40/41. Die Gebäude wurden 1998/99 mit einem Aufwand von 3,4 Mio. € komplett saniert. Seitdem werden sie für studentisches Wohnen genutzt.

Zustand 2000 (Foto Horst Barnewitz)

Mönchstr. 12

Das dreigeschossige Giebelhaus mit Kemladen erhielt seine heutige Gestalt im frühen 18. Jh. Mit seinem geschwungenen Giebel und der gesprengten Haubenbekrönung passt sich das Gebäude an die Fassadengestaltungen der Umgebung an. Im Kern reicht die Bausubstanz dieser Häuser bis in das 14. Jh. zurück. Im Inneren sind u. a. die zweistöckige Diele, der Hausbaum, Treppe, Herdglocke und Malereien nach den Gesichtspunkten des Denkmalschutzes in fast dreijähriger Bauzeit (1999 – Dezember 2001) wieder entstanden. Das Denkmal wurde von unserem Verein gefördert.

Auf der Veranstaltung des Bürgerkomitees ”Moderne Nutzung in alten Gemäuern“ am 28. November 2002 berichteten Herr und Frau Werner von der Sanierung der Mänchstr. 12. Der Vortrag fand soviel Anklang. dass wir ihn hier weitgehend ungekürzt wiedergeben:

Wir sind beide von Beruf Musiker. Meine Frau stammt aus Ansbach, ich habe die Gymnasialjahre in Bamberg verbracht, einer Stadt, die längst in der Welterbeliste der Unesco steht. Es lag nahe, im Alter wieder zu diesen schönen Wurzeln zurückzukehren. Aber wir haben beschlossen, etwas Neues zu beginnen. Nach der Wende konnten wir endlich den ganzen Ostseeraum bereisen, und Waren vor allem von Stralsund angetan. Hier wollten wir also wohnen, aber zunächst ohne den großen Plan, ein ganzes Haus wiederherzustellen. Erst als sich die noch verbliebenen Wohnungsgrundrisse des Projekts Frankenstraße 31-33 als zu klein für zwei Musiker erwiesen, waren wir reif für den Architekten Mittelbach. Er konnte uns überreden, eines der vielen maroden unbewohnten Häuser zu restaurieren.

Wie alt ist nun unser altesGemäuer?

Teile des Gebäudes stammen noch aus dem Mittelalter. Es war ursprünglich ein Kaufmannshaus mit Speicherräumen, innerem Lastenaufzug, großer Verkaufs- und Büro -Diele und offener Feuerstelle, der heutigen Herdglocke. Ein umfangreicher Umbau fand 1640 statt. Aus dieser Zeit stammen z.B. die Reste von Fresken und die BemaJung der Deckenbalken. Das 19. Jahrhundert hat die Fassade nochmals verändert und damit das Erscheinungsbild von der Straße her geprägt. Im 19. und 20. Jh. wurden zur intensiveren Wohnnutzung zusätzliche Wände und auch Decken eingezogen, womit u. a. die zweistöckige Diele wieder verschwand.

Und welcher Baustil ist zu erhalten?

Wer zu einer denkmalgerechten Sanierung bereit ist, fragt sich immer, welchen Zeitpunkt aus den verschiedenen Bauphasen er für die Restaurierung wählen soll. Die Denkmalbehärde gab darauf die bindende Antwort, die barocken Elemente wieder sichtbar zu machen und damit natürlich auch den Zustand vor den Einbauten. Ein Zurückgehen auf die gotischen Fenstergrößen und -rahmungei, die man nach dem Abschlagen des Putzes an der Fassade erkennen konnte, wurde nicht gestattet. Den spitzbogigen Blendbogen in der Halle ließ ich ohne entsprechende Rückfrage wiederherstellen. Nachdem wir den Visionen von Herrn Mittelbach gefolgt waren, erkannten wir folgende Eigenarten bzw. Qualitäten des Hauses: Schmucker Giebel in einer der schönsten Straßen der Stadt mit viel Kultur ringsum, Nähe zu einigen nützlichen Geschäften, der für Stralsund typische Hausbaum, barocke Bemalungsreste an Decken und Wänden der großen Halle, der für sich stehende Kemladen für die Musikübungen, geringe Raumhöhen im 2. und 3. OG, schöne Entlastungsbögen in der Halle und ebensolche an der Nordseite des Kemladens, ein windgeschützter Hof mit Gärtchen, Fledermäuse im Keller, Schwalbenschwanzraupen im Garten (und jetzt als Puppen im Dachgeschoß?), und wie sich erst nach dem Einzug herausstellte eine sehr ruhige Lage, die wir allerdings mit Schallschutzfenstern im EG schon unterstützt hatten.

Verzögerungen und ihre Konsequenzen

Im Juli 1998 hatten wir das Grundstück mit Ruine gekauft. Auch ohne die Förderzusage des Landes durften wir Anfang 2000 erste Sicherungsmaßnahmen durchführen und Gutachten erstellen lassen. Das Holzgutachten zählte viele Sorten Pilze und Schwämme und einige allerliebste kleine Käfersorten auf; deswegen haben wir es auch gelesen und bei den Fotos den gewaltigen Restaurierungsaufwand geahnt. Das Statiker-Gutachten von ziemlicher Dicke habe ich nur deswegen angefordert, weil es so teuer war; gelesen haben wir es nie. Die obligatorischen archäologischen Grabungen ergaben keine Kunstschätze, was auch seine Vorteile hatte. Die Zusage der Fördermittel ließ nach eineinhalb Jahren immer noch auf sich warten. Als wir feststellen mussten, dass die Pilze im Haus teilweise wieder nachgewachsen waren, wurden wir energischer: Ichfuhr im Februar 2000 zunächst nach Schwerin ins Ministerium und dann noch mal zur SES. Von dort kehrte ich dann endlich mit einer Förderzusage heim. Ab da ging es voran.

Gemischte Gefühle

Die Entdeckung der besagten Freskenreste im Haus löste gerrüschte Gefühle aus, die Entdeckung von Farbresten an der Fassade überstanden wir nur mit Hilfe von Herrn Mittelbach, der eine Förderung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz erreichte. Sichtbar geblieben von dieser Fassadenmalerei ist ein kleiner Ausschnitt in der Mitte, den die OZ endlich einmal zur Würde des Rätselratens erheben sollte! (Übrigens hat sich der tüchtige Handwerker der die Farbreste an der Fassade entdeckt und pflichtgemäß weitergemeldet hatte, bei mir dafür entschuldigt.)

Aber schön ist es geworden unser Haus …

Im EG liegen gleich nach dem Eintritt durch den originären Windfang Küche und Esszimmer. Die sehr schön wiederaufgearbeitete Treppe befindet sich bereits in der zweistöckigen Halle mit dem großen neuen Fenster und der Tür zum Hof bzw. Gärtchen. Weil die geborgenen teuren Ölsandsteine auf unerklärliche Weise immer weniger geworden waren, mussten wir die Halle größtenteils mit neuem Dolomit belegen. Übrigens entwickelt vor allem hier die Fußbodenheizung ihre Qualitäten. Abstellraum und Toilette sind die einzigen Räume ohne natürliches Licht, was bei einem Giebelhaus gar nicht selbstverständlich ist. Es kommt uns dabei zu Gute, dass rechts neben uns ein Traufenhaus steht, das nicht ganz so tief in das Grundstück hinein reicht wie unser Haupthaus, so dass z. B. die Bäder auf dieser Seite ihre kleinen Fenster wieder bekommen konnten. Im EG des Kemladens befindet sich das mühsam akustisch hergerichtete und isolierte Musikzimmer.

Im 1. OG befinden sich u. a. Bibliothek und Arbeitszimmer meiner Frau, die schön wieder aufgearbeitete klassizistische Verkleidung des Hausbaums und ein respektables Fresko. An Stelle des längst verschwundenen Geländers der Galerie haben wir bewusst ein modernes Stahlgeländer anbringen lassen.

Im 2. OG durften wir teilweise die Balken um 25 cm nach oben verlegen, um eine erträgliche Raumhöhe von 2,05 m zu erreichen. Hier befinden sich u. a. die Schlafzimmer und Gästezimmer. Aus restaurierten Resten eines vorgefundenen Wandschranks mit Schablonenmalerei und alten Raumteilern haben wir einen äußerst praktischen begehbaren Kleiderschrank anfertigen lassen.

Das 3. OG hat ebenfalls nur die geringe Raumhöhe von 2,0 m und schräge Wände, ist nicht beheizbar, hat keinerlei Raum auftei!ung und dient wieder seinem ursprünglichen Zweck als Lagerraum. Vom Spitzbogen aus hat man nach beiden Seiten herrliche Ausblicke über die Stadt.

Die Inneneinrichtung

Die Inneneinrichtung verlief unterschiedlich: Für den Kauf der sanitären Artikel und manches Anderem nahm Herr Mittelbach freundlicherweise meine Frau mit und konnte sie in alten strittigen Fällen von seiner Ansicht überzeugen. Da sie wusste, dass kein Luxus in Frage kam, mischte ich hier nicht mit. Bei der Beleuchtungsfrage hingegen habe ich die Chance vertan, mich gegen 95 Spots durchzusetzen. Die großen Gegenstände, die wir für die Halle benötigten, konnten wir günstig aus Auktionen erwerben, wobei ich als telefonischer Mit -Steigerer bei einer französischen Auktion zweifelos über mich hinausgewachsen bin.

Finanzen und Förderer

Es gab gegen Ende der Bauzeit einen schlimmen finanziellen Engpass. Da hat in der Stadtsparkasse Frau Strattner die richtige Idee entwickelt, wie wir relativ schnell und einfach zu einem Zwischenkredit und die Arbeiter pünktlich zu ihrem Geld kamen. Wir danken aüch dem Land für die bisher eingetroffenen 80% der Fördermittel. Wir danken der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und auch dem Bürgerkomitee „Rettet die Altstadt Stralsund“ für die Restaurierung unserer Haustür. Für die im Sommer vorbeiströmenden Touristen hätte sicher eine wiederhergestellte Fassade genügt. Wir wollten aber nicht nur eine Lücke in der Straßenzeile schließen, sondern fanden es sehr reizvoll, die besondere Atmosphäre eines alten Kaufmannshauses mit unserem Bedürfnis nach Musikausübung und nach gemütlichem Wohnkomfort zu verbinden. So ist eines der alten Patrizierhäuser von Stralsund auch in seinem Inneren weitgehend wiedererstanden.

Ziemlich fertig

Das Haus und ich waren nach einem Endspurt beim Einzug Anfang Dezember 2001 ziemlich fertig. Meine Frau traf etwas später ein, weil sie noch in einem Orchester zur Verbesserung unserer Finanzen aushalf. …

Gut genutzt

Apropos „Nutzung in alten Gemäuern“ : Wir haben die Halle bereits einer gewissen Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, z. B. als Ort einer Parteiversammlung und für unser, Hauskonzert. Weitere halböffentliche Verwendungen sind schon fest vereinbart bzw. vorgesehen.

Aus G&T #25

Mönchstr. 11

  • gelegen im St. Georgen Quartier
  • im 13. Jahrhundert bei der Altstadterrichtung vermutlich 2 Giebelhäuser
  • erstes nachweisbares Zeugnis der Bebauung aus schwedischer Stadtaufnahme (1706/07), dort als Mönschstraße 58 & 59 aufgeführt (Bewohner Ernst Richter – Kaufmann, Brauer, Mälzer)
  • 25.11.1772 verkauft an Johann Thoedor von Essen
  • 25.08.1785 verkauft an Otto Heinrich von Thun – dieser soll das Haupthaus neu errichtet haben – Maueranker Hofseite
  • 1789 (Fertigstellung „Neubau“)
  • Ähnlichkeit mit Barockhaus Mönchstraße 23 (Kühlschen Haus, Daniel Joachim Kühl war Gründer der Amidommacherei (Kleidermacher) in Stralsund (Stärke). Unternehmen entstand 1729 nach Lübecker & Rostocker Vorbild ältestes und langlebigstes Unternehmen während der Schwedenzeit Stralsunds.
  • Unterschied: Dach keine hölzernen Likarnen mehr vorhanden.
  • Bei Mönchstraße 11 sind schon klassizistische Elemente vorhanden; risalitartig ausgebildete Vorsprünge; über den Resaliten befanden sich Vasen
nördliche Tordurchfahrt 1999 (z.T. zugemauert)
  • Kemladen Maueranker 1641 entweder neu + alte Anker oder stehen geblieben
  • Vererbt an Carl Ludwig von Thun nach dessen Tod an Wilherlm Ulrich von Thun auf Schlemmin
  • Dann an Gräfin Elise zu Stollberg Wernigerode (geb. von Thun auf Schlemmin) Gräfin Eigentümerin bis 1920 (nie dort gewohnt-immer vermietet)
  • 01.01.1869 benannt in Mönchstraße 11
  • 1920 verkauft an Pommersche Landbund, Kreisgruppe Franzburg
  • November 1921 Antrag auf Umbau des Gebäudes, Abbruch Hintergebäube
  • Januar 1922 immer noch keine Baugenehmigung – Landbund sitzt noch im Artushof (Alter Markt) Genehmigungsprobleme u.a.: Lage Heizungskeller, Hofansichten unzureichend, Öffnungen vor Umbau wesentlich größer und mehr
  • 1941 Baumaßnahme im KG: Osttonne Einbau Zwischenwände & Schleuse Eigentümer Landesbauernschaft Pommern
  • nach dem Krieg: staatliches Eigentum Eigentum des Volkes“ Rechtsträger: Kommunale Wohungsverwaltung KWV
  • 1954 Programm z. Umbau fertiggestellt, z.Z. Büroräume d. Rates d. Stadt, Umbau zu Wohnungen; alle Räume erhalten Kachelöfen; Küchen erhalten kombinierte Gas- und Kohleherde, Aussenputz ausbessern;
  • 1955 Abschluß der Arbeiten: Erste Mieterin bis in die 90er Jahre Familie Schuller
  • Waschhaus als Abstellraum; Pianohaus & Elektrofrima Sitte)
südliche Tordurchfahrt 1999

Umbau & Sanierung

Mittelstands- und Existenzgründerzentrum: Wohnen und Arbeiten unter einem Dach; Existenzgründer: „nur“ arbeiten kaum Wohnen…

Unterstützt vom Mittelstandsinstitut Niedersachsen; Gespräche mit Schwerin zur Mietpreisunterstützung für mittelständische Existenzgründer

Erhalt des Tischlereibetriebes / Schaffung von eigenem Auftrag

Einrichtung Denkmalbau GmbH – Schaffung von zwei neuen Arbeitsplätzen für die Dauer der Bauarbeiten

Herbst 2000 Beginn Umbau & Sanierung. Erst Haupthaus dann Kemladen, Piano- & Waschhaus

Dauer von Erwerb bis Baubeginn u.a. 2 Jahre wegen Städtebaufördermitteln (zeitgleich Wasserstraße 80 gekauft) keine Städtebaufördermittel erhalten, Bürgerhausprogramm DSD 50.000 DM Förderung Straßenfassade

Zustand 2003 nach Sanierung

Sommer 2003 Fertigstellung

Keller für Gastronomie vorgerichtet (Leitungen in Ixel; ca. 100.000 DM)

  1. OG Beletage Rückbau in Urzustand (bei Baubeginn = 3 Wohnungen)

DG 2 Wohnungen (eine mit Loggia)

  1. OG 2 Wohnungen (eine mit Dachterrasse auf Kemladen)

Waschhaus als Einfamilienhaus“

Pianohaus: Wohnen auf 3 Ebenen + Dachterrasse auf Kemladen / EG = Büro

Durchfahrt mit Werbekästen für Hausbewohner

Überall Dielenböden; eigene Ernte“ (Hamer) ausgesucht, gegattert, getrocknet (Kauf der Kammer am Bodensee), genutet, gefedert und eingebaut

Treppenhaus: Wandmalerei durch Restaurator Bär und Unterstützung BIRAS freigelegt und wieder aufgearbeitet

Treppe ins 2. OG neu exakt nach Vorbild untere Treppen mit Schlitzen im Brüstungsfüllung (Licht von Dachflächenfenstern)

Kleine neue Treppe in Dachboden; dort trockene Kellerersatzräume (Abstell) für Mieter

Wohnhof frei von PKW’s

5.589,89 m³ umbauten Raum

Wohn- & Nutzfläche 1.200 m²

Kosten pro m² Wohnfläche ca. 770 €/qm

Baukosten gesamt ca. 925.000,00 €

insgesamt 13 Einheiten

Aspekte einer denkmalgerechten Sanierung kombiniert mit aktuellen Wohn-und Nutzungsvorstellungen der Bauherren bzw. „unserer heutigen Zeit“

Aegidius van Ackeren (2005)

Langenstr. 55

Die Langenstraße 55 ist ein denkmalgeschütztes Traufenhaus vom Attika -Typ. 1746 als vermutlich eingeschossiges Haus mit Satteldach auf den Fundamenten des 1678 bei der Brandenburger Belagerung niedergebrannten Giebeihauses errichtet, wurde nach einem Dachstuhlbrand 1918 ein Drempelgeschoss mit flachgeneigtem Satteldach aufgesetzt. Die Fassade erhielt eine Gliederung durch Simse und Faschen. Die Haustür stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des 19. Jh. und wurde mit Hilfe des SES -Türenprogramms saniert. Die Aufarbeitung der Innentreppe wurde vom Bürgerkomitee unterstützt. Heute sind 440 qm zu 5 Wohnungen ausgebaut. Auf dem Dach befindet sich eine Photovoltaikanlage mit 3,3kwP und eine solarthermische
Anlage.